Tschechiens neuer konservativer Ministerpräsident Andrej Babiš (im Bild links) regiert ohne linke Koalitionspartner und gilt der europäischen Rechten als Vorbild. Nun plötzlich regt sich Kritik aus deutschen rechten Kreisen – ausgerechnet die Sudetendeutschenfrage wird neu aufgewärmt. Eine Spurensuche führt nicht nach Böhmen, sondern nach Brüssel: Die EVP braucht Babiš als Feind, weil sie ihn nicht als Partner haben kann.

Verantwortlich zeichnet die Sudetendeutsche Landsmannschaft, angeführt von Bernd Posselt (CSU) (Im Bild oben rechts), Ex-Europaabgeordneter und überzeugter Paneuropäer in der Tradition Coudenhove-Kalergis. Zum 76. Sudetendeutschen Tag vom 22. bis 25. Mai 2026 in Brünn, also erstmals in Tschechien selbst stattfindend, organisierte er eine kalkulierte Provokation gegen Prag.

Hier liegt ein Widerspruch, der keiner ist: Posselt kämpft gleichzeitig für die Überwindung nationaler Grenzen im Namen Europas und für das Volkstumsbewusstsein der Sudetendeutschen. Der scheinbare Gegensatz löst sich auf, sobald man erkennt, dass beide Projekte dasselbe Ziel verfolgen – die Schwächung souveräner Nationalstaaten, die sich Brüsseler Direktiven entziehen. Paneuropa braucht keinen deutschen Volkstumskampf als Selbstzweck; es braucht ihn als Druckmittel.

Brüssels Minderheitenquartett

Die CSU finanziert die Landsmannschaft mit mehreren Millionen Euro jährlich, die EU kofinanziert über das Interreg-Programm. Der Apparat ist damit doppelt alimentiert – durch Berlin und durch Brüssel.

Die Vorgängerregierung von Petr Fiala, EVP-Mitglied wie CDU/CSU, war Brüssels mustergültiger Partner bei westlichen Waffenlieferungen an die Ukraine. Babiš ist es nicht. Diese Distanzierung ist der eigentliche Auslöser der Sudetenkampagne.

Dass ethnische Fragen als Hebel des Regime Change funktionieren, ist wissenschaftlich belegt: Der Schweizer Soziologe Andreas Wimmer („Waves of War“, 2013) zeigt, wie Akteure gezielt ethnische Identitäten aktivieren, um Regierungen zu destabilisieren. Der amerikanische Politikwissenschaftler John J. Mearsheimer („The Great Delusion“, 2018) beschreibt dasselbe Muster für liberale Hegemonialpolitik – Minderheitenrhetorik und historische Konfliktreaktivierung ersetzen den offenen Einmarsch. Instrumentalisierte Minderheiten gegen rechte Regierungen: Bei Orbáns Ungarn und der polnischen PiS wurde dieses Playbook mithilfe von LGBTQ-Rhetorik durch Brüssel durchgespielt.

Gegen Ukraine und Migration: Erfolgreiche Partnerschaft auf EU-Ebene

Was die EVP zusätzlich treibt: Im Europaparlament kooperiert die AfD im Rahmen der ESN-Fraktion eng mit Babiš‘ ANO. Diese Rechtsallianz hat bei der Ukraine-Finanzierung und der Migration bereits Wirkung erzielt – der Migrationspakt mit Rückführungsverordnung wurde unter ihrem Druck in eine schärfere Form gegossen (PI-NEWS berichtete). Die EVP muss nach rechts liefern, verliert dabei aber die Agenda-Kontrolle an Fraktionen, die sie nicht einbinden kann. Prag unter Babiš zu schwächen bedeutet also auch, diesen Hebel zu kürzen.

Wer die Sudetenfrage heute gegen Prag ins Feld führt, betreibt die Agenda der Globalisten innerhalb der CDU/CSU – bewusst oder nicht. Die CSU inszeniert sich als Bewahrerin deutschen Volkstums und handelt dabei als verlängerter Arm jener supranationalen Strukturen, die sie rhetorisch bekämpft.

Tschechien unter Babiš ist kein Feind nationaler Interessen in Europa – es verteidigt sie, auf seine Weise. Statt Prag zum Gegner in längst verlorenen Schlachten zu konstruieren, täte der deutschen Rechten ein anderer Blick gut: Die Regierung Babiš ist Partner und Vorbild in den Auseinandersetzungen, die heute zählen. Und genau das ist es, wovor von der Leyens Brüsseler Apparat die größte Angst hat.

Dieser Artikel erschien auf PI-NEWS, unserem Partner in der EUROPÄISCHEN MEDIENKOOPERATION



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