Das Weiße Haus führt Gespräche mit Iran über ein neues Atomabkommen und setzt dabei auf eine traditionelle Stärke: die Aussicht auf eine Lockerung der Sanktionen sowie den Zugang zu rund 100 Milliarden US-Dollar eingefrorener Vermögenswerte.

Doch diese Hebelwirkung nimmt ab. Teheran hat die US-Sanktionspolitik in den vergangenen Jahren zunehmend unterlaufen, indem es erfolgreich Chinas Finanzarchitektur nutzt – die auf dem Yuan basiert und außerhalb der Reichweite Washingtons operiert. Das berichtet das Wall Street Journal (WSJ) am Mittwoch. 

Die Dominanz des US-Dollars, der derzeit in rund 80 Prozent der internationalen Handelsfinanzierung verwendet wird, verschafft Washington traditionell einen großen Vorteil bei der Kontrolle des globalen Geschäftsverkehrs. Die meisten internationalen Transaktionen in US-Dollar müssen über amerikanische Banken abgewickelt werden, was es den USA ermöglicht, sie zu überwachen – und im Bedarfsfall den Zugang zu dem Dollar-System zu sperren, was die Geschäftstätigkeit der Betroffenen massiv beeinträchtigen kann.

Wenn jedoch US-Gegner ihre Geschäfte in Yuan abwickeln, gelangen diese Transaktionen nicht in das vom Westen dominierte Bankensystem. Dadurch wird die Wirkungsmacht Washingtons deutlich geschwächt.

Die USA haben während der Verhandlungen den Weg dafür freigemacht, dass Iran seine Ölexporte wieder aufnehmen und sogar in US-Dollar bezahlt werden kann. Doch selbst unter den Sanktionen, die eigentlich solche Verkäufe verhindern sollten, erzielte Iran laut der US-Energiebehörde (EIA) im Jahr 2024 bis zu 43 Milliarden US-Dollar an Öleinnahmen. Der Großteil der Verkäufe wurde laut dem US-Finanzministerium in Yuan abgewickelt.

Teheran nutzt das Geld, um chinesische Autoteile, Solarpaneele und andere Güter und Dienstleistungen zu kaufen sowie sogenannte Dual-Use-Güter – Materialien, die offiziell für zivile Zwecke bestimmt sind, aber auch für militärische Anwendungen genutzt werden könnten – und das alles außerhalb der US-Zuständigkeit.

Schiffe, die während des Konflikts eine sichere Passage durch die Straße von Hormus anstrebten, wurden angewiesen, an Iran in Yuan oder Kryptowährungen zu zahlen, die ebenfalls schwer von den USA zu kontrollieren sind.

Ein Teil der Transaktionen wird über Chinas Cross-Border Interbank Payment System (CIPS) abgewickelt – eine Yuan-basierte Alternative zum SWIFT-Nachrichtensystem. Das System wurde im Jahr 2015 von China geschaffen und kann von den USA nur schwer überwacht werden. 

Ein ähnliches Muster zeigte sich bereits bei Russland nach Beginn des Ukraine-Krieges im Februar 2022. Nach der Verschärfung der US-Sanktionen wurden russische Ölexporte und andere Handelsgeschäfte mit China zunehmend in Yuan abgewickelt. Insgesamt haben sich die täglichen Transaktionen über CIPS seit Kriegsbeginn verdoppelt, und die Zahl der Finanzinstitute auf der Plattform hat sich bis Mitte 2025 ebenfalls mehr als verdoppelt, wie Daten der chinesischen Zentralbank und von CIPS zeigen. 

Heute geben russische Offizielle an, dass mehr als 90 Prozent des Handels zwischen Russland und China in Yuan und russischen Rubeln abgewickelt werden. Eine exakte Vorkriegszahl konnte nicht ermittelt werden, doch zum Vergleich: Im Februar 2022 wurde der Yuan nur bei zwei Prozent des russischen Handels genutzt, so das Centre for Eastern Studies, ein polnischer Thinktank. 

Yuan-basierte Systeme „erleichtern es, US-Sanktionen zu umgehen“, sagte Josh Lipsky, ein ehemaliger Mitarbeiter des Internationalen Währungsfonds, der heute beim Atlantic Council arbeitet. „Sie erschweren es den US-Geheimdiensten, Finanzströme nachzuvollziehen.“

China habe jedoch nicht die Absicht, den US-Dollar weltweit vollständig durch den Yuan zu ersetzen, hieß es im WSJ. Stattdessen verfolgt Peking das Ziel, gezielt bestimmte Handelswege außerhalb des Dollar-Systems aufzubauen. Diese Strategie sei auch von dem Wunsch getrieben, US-Einfluss zu schwächen und Verbündeten zu helfen, so frühere US-Finanzbeamte. China selbst weist US-Sanktionen zurück.

Die globale Finanzwelt entwickelt sich laut Pan Gongsheng, dem Chef der chinesischen Zentralbank, in Richtung eines Systems, in dem „einige souveräne Währungen nebeneinander existieren und miteinander konkurrieren“. Ein Abschied von einer dollarzentrierten Welt sei notwendig, weil „in Zeiten geopolitischer Spannungen, nationaler Sicherheitsinteressen oder sogar Kriegen die weltweit dominante Währung dazu neigt, instrumentalisiert oder als Waffe eingesetzt zu werden“, sagte er in einer Rede im vergangenen Sommer.

Die Bedeutung des Yuan wurde mit Beginn des Krieges in Iran besonders deutlich. Im März soll das sich in chinesischem Besitz befindliche Containerschiff Newvoyager eine Gebühr von rund zwei Millionen US-Dollar in Yuan an Teheran gezahlt haben, um eine sichere Passage durch die Straße von Hormus zu gewährleisten.

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