Von Alexej Danckwardt

Linken-Chefin Ines Schwerdtner hat doch tatsächlich auf dem Parteitag am Sonnabend die AfD von der Tribüne aus „Nazis“ genannt. 

„Wir werden den Osten nicht den Nazis überlassen“, rief Schwerdtner dem Parteitag zu und meinte damit doch ganz offensichtlich die AfD, die vor Erfolgen bei den im Herbst im Osten anstehenden Landtagswahlen steht. 

Nun, mit den bisherigen genialen Strategien der Linken und sonstigen „Antifaschisten“ wurde die AfD nur immer stärker. Es hat vor allem nichts gebracht, täglich „gegen rechts“ zu demonstrieren und jeden Andersdenkenden als „Nazi“ zu beschimpfen. Das zu begreifen, sind sie aber intellektuell nicht in der Lage. Sie sehen den Zusammenhang nicht einmal. 

Mir geht es allerdings um etwas anderes: Die AfD – Nazis?  

Als Russe und von Russland aus sieht man klarer, wer in Deutschland die Nazis sind. Mit über 20 Millionen durch die Original-Nazis ermordeten Landsleuten haben wir da auch ein Wörtchen mitzureden, vor allem aber die weltbeste Expertise. Mehr Expertise jedenfalls als Schwerdtner und die heutigen Linken, die brüllen, aber niemals begründen können, warum der Beschimpfte denn nun „Nazi“ ist.

Der Hitlerfaschismus, ihr Geschichtsvergessenen, hatte zwei Standbeine – den Antisemitismus und den Hass auf Russland und die Russen. Das Erste hat man den Deutschen heute ausgetrieben, mehr durch pawlowsche Dressur denn durch echte Einsicht (mit echter Einsicht hätte man gelernt, überhaupt kein Volk mehr zu hassen). Das Zweite ist immer noch da und zieht ganz aktuell, hier und jetzt, in den nächsten Weltkrieg. 

Und dabei war die Feindschaft gegen Russland „die Pflicht“ für Hitler und Gefolgschaft, Antisemitismus war „die Kür“, ihre perverse Leidenschaft. Aufgebaut und an die Macht gebracht hat das deutsche und westliche Kapital die Nazis vor allem, um die Sowjetunion anzugreifen, das russische Volk zu vernichten und die Ressourcen des Landes für ebendieses nimmersatte Kapital zu rauben.

Wer das nicht begriffen hat, hat nichts vom Wesen des deutschen Nazismus begriffen. Wer das nicht begriffen hat, ist Schuld daran, dass wir heute wieder so weit sind. Er hat den echten Faschismus längst verpennt. 

Es anders zu sehen bedeutet, Politik mit der Mentalität von Fußballhools zu betreiben. Zufällig als Fan des einen Vereins („FC Links“) sozialisiert – Herr Papa war in der PDS und Landtagsabgeordneter, beispielsweise –, schlägt man ein Leben lang den Fans des anderen Vereins („FC Rechts“) die Köpfe ein. Ohne Sinn, ohne Verstand, ohne Ziel. Und „Nazi!“ ist da nur der Schlachtruf.

Wer aber wirklich verstehen will, sollte denen zuhören, die vom deutschen Nazismus betroffen waren wie niemand sonst. Ja, mehr als Juden sogar. Russen erkennen die Fratze des deutschen Nazismus sofort wieder – sie sind ihr schon mal im Kampf um Leben und Tod begegnet – und das sind seine sieben Merkmale:

1. Nazi in Deutschland ist, wer wieder einen Krieg gegen Russland vorbereitet. Wer ihn im Grunde bereits führt, vorerst mit Händen anderer, die deutsche Waffen führen.

2. Nazi in Deutschland ist, wer wieder einen Drang nach Osten verspürt und es für richtig hält, dass EU und NATO expandieren.

3. Nazi in Deutschland ist, wer Russen kollektiv bestraft, indem er ihnen Flug-, Zug- und Bankverbindungen streicht, staatliche Leistungen verweigert und sie auf jede sonstige erdenkliche Art diskriminiert. Wer dem einen Volk Rechte verweigert, die er dem anderen selbstverständlich zugesteht (Ukrainer haben ein Selbstbestimmungsrecht, Russen im Donbass und auf der Krim nicht, ja nicht einmal ein Recht auf Sprache und kein Recht auf Leben offenbar; Russland darf man sanktionieren, die USA und Israel nicht usw.). Wer ganze Völker unterschiedlich behandelt, der ist immer ein Nazi.

4. Nazi in Deutschland ist, wer ohne Prozess, ohne Urteil und ohne Schuld sanktioniert und Menschen die Lebensgrundlage entzieht. Wer „Feindsender“ verbietet und Andersdenkende oder humanitäre Donbass-Helfer ins Gefängnis steckt. Wer heute Russen cancelt und ihnen nicht zuhören will, der ist ein Nazi. Wer gegen all das nicht die Stimme erhebt, auch.

5. Nazi in Deutschland ist, wer es normal findet, dass in Europa Hitler-Kollaborateure mit militärischen Ehren umgebettet werden, dass Straßen nach ihnen benannt und zugleich Denkmäler für Sowjetsoldaten – die Sieger über den Original-Nazismus – abgerissen werden.

6. Nazi in Deutschland ist, wer Terroristen unterstützt, die Zivilisten in die Luft sprengen und sich – wie es die ukrainischen Geheimdienste tun – offen dazu bekennen.

7. Nazi in Deutschland ist, wer Waffen in Kriegsgebiete liefern lässt, wer diese Lieferungen fordert oder unterstützt. Vor allem, wenn er vor kurzem noch Plakate dagegen geklebt hat, es aber plötzlich anders sieht, ausgerechnet (so ein Zufall aber auch!) sobald die Waffen Russen töten sollen.

Meines Wissens trifft nichts davon auf die AfD zu. Ganz im Gegenteil, ich habe da neulich ausgerechnet Björn Höcke in Fragen von Krieg und Frieden Sachen sagen hören, die eigentlich Linke sagen müssten. Er hat sogar Brecht zitiert.

Bin mir immer noch nicht sicher, ob das ehrlich gemeint war oder bloßer Stimmenfang. Sicher bin ich mir bei etwas anderem: Bei Linken heute gibt es statt Denken nur Reflexe. Weil Höcke gegen den Krieg ist, sind sie eben dafür. Weil die AfD „Verbindungen nach Moskau“ hat, kommen von der ehemaligen SED im Bundestag Zwischenrufe (Gruß an Sören!), die das zum Vorwurf machen, als wären Kontakte nach Moskau Teufelszeug und Landesverrat. Fußballhool-Mentalität, wie ich schon sagte, und nichts außer ihr im Hirn.

Nein, bei der AfD müsst ihr mir erstmal beweisen, dass es Nazis sind. Mit Obersatz, Untersatz und Subsumption bitte. Aber in Ihrer eigenen Partei, Frau Schwerdtner, und bei gewissen Wunsch-Koalitionspartnern werden Sie viele finden, auf die meine sieben Merkmale dicke zutreffen. Alles andere ist nur Geschwätz.

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