Eine auf WeAct, der Petitionsplattform von Campact, gestartete Online-Petition hat bis zum Nachmittag des 14. Juni 2026 bereits fast 53.000 Unterzeichner gefunden. Sie alle appellieren an die Fraktionsvorsitzenden der sogenannten „demokratischen Parteien“ im Bundestag, Hans-Peter Kerkeling als gemeinsamen, überparteilichen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten zu nominieren. Die Wahl zum Bundespräsidenten findet am 30. Januar 2027 statt, die Suche nach einem Nachfolger für den derzeitigen Amtsinhaber Frank-Walter Steinmeier läuft bereits.
Als Begründung schreibt Mark Wege, der Initiator der Petition, Hape Kerkeling besitze die Fähigkeiten, Deutschland würdig zu repräsentieren, gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stiften und die Herzen der Menschen zu erreichen. Der Künstler habe bewiesen, dass er diese Eigenschaften besitze und eine moralische Instanz sei.
Als Beispiel nannte der Bremer Kerkelings Rede in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald vom April dieses Jahres. Hape Kerkeling sei keinesfalls als Spaßkandidat, sondern als „ein Brückenbauer für eine verunsicherte Gesellschaft“ sowie als starkes Signal für „unsere Demokratie“ zu betrachten.
Formal erfüllt der 61-jährige Kerkeling die für eine Kandidatur notwendigen Kriterien: Er hat das Mindestalter von 40 Jahren erreicht, ist deutscher Staatsangehöriger und besitzt das aktive und passive Wahlrecht. Er müsste allerdings von einem Mitglied der Bundesversammlung für die Kandidatur vorgeschlagen werden, etwa von einem Bundestagsabgeordneten.
Würde Kerkeling zum Bundespräsidenten gewählt, bestünde seine Aufgabe darin, Deutschland im Ausland zu vertreten, die von Bundestag und Bundesrat verabschiedeten Gesetze zu unterschreiben sowie den Bundeskanzler, die Bundesminister sowie Bundesrichter zu ernennen und auch wieder zu entlassen. Kerkeling würde damit rein repräsentative Funktionen ausfüllen.
Hape Kerkeling sagt zu der schmeichelhaften Petition nicht Nein. Im Interview mit dem Sender RTL gab sich der beliebte Schauspieler vor Kurzem nicht ganz abgeneigt gegenüber dem Vorschlag: „Ich muss Ihnen ehrlich sagen, nach all dem, was in der Welt passiert und wer so an der Spitze von Nationen steht – ich schließe nichts mehr aus.“
In einem Podcast zum CSD Leipzig erklärte er: „Also, ehrlich gesagt, habe ich mir das noch nicht vorgestellt, aber wenn ich so in die Welt schaue und mir angucke, wer in der Welt in führenden Positionen das Sagen hat, dann bin ich geneigt zu sagen: ‚Ja, das traue ich mir zu.‘ Man ist ja fast gezwungen, es sich dann zuzutrauen, wenn ich mir angucke, was in den Vereinigten Staaten, was in Ungarn über viele Jahre passiert ist, was jetzt in Bulgarien und in der Slowakei passiert. Und da soll ich mir das nicht zutrauen. Ja, doch, ich traue mir das zu. Ich will das nicht, aber ich traue mir das zu.“
Eine Befürworterin aus der Bundespolitik hat eine mögliche Kandidatur Kerkelings schon gefunden: Die Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Heidi Reichinnek, teilte dem MDR mit, sie halte Hape Kerkeling für einen geeigneten Kandidaten. Grundsätzlich unterstütze die Linke überparteiliche Kandidaturen.
Sollten noch weitere in der Bundesversammlung vertretene Parteien Reichinneks Ansicht vertreten, müsste Kerkeling womöglich bald Farbe bekennen. Dann könnte der Schauspieler auch im wirklichen Leben verlauten lassen: „Isch kandidiere!“
Immerhin, eins hat Kerkeling mit dem derzeitigen Amtsinhaber Steinmeier schon mal gemeinsam: Eine tiefe Abneigung gegenüber der AfD. Diese könnte er dann auch als Bundespräsident zur Geltung bringen. Und mit einem Bundespräsidenten Kerkeling wäre Deutschland fast schon wieder eine Monarchie: Denn der Entertainer reklamiert für sich, ein Urenkel des britischen Königs Edward VII. zu sein.
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