Wie die englischsprachige, in China erscheinende Global Times am gestrigen Freitag berichtete, befürchten die chinesischen Behörden eine eher ungewöhnliche Form der Spionage: Mit Sendern und Sensoren ausgestattete tierische Meeresbewohner könnten fremde Geheimdienste mit sensiblen Informationen versorgen.
Auf der Plattform WeChat hat das chinesische Ministerium für Staatssicherheit einen Beitrag mit dem Titel „In der Tiefe der See wogen Unterströmungen“ veröffentlicht. Was so poetisch klingt, hat einen ernsten Hintergrund: Demnach wird an Chinas Küsten auf und unter der Meeresoberfläche ein verdeckter Spionagekrieg geführt. Der offizielle Artikel erwähnt im Folgenden verschiedene Formen der Spionage, wie sie von fremden Mächten gegen China ausgeführt werde: etwa durch Überwachungsbojen und unbemannte Wasserfahrzeuge des Typs „Wave Glider“.
Entsprechende Spionagemethoden habe man in bestimmten Seegebieten bereits entdeckt. Im Falle der kugelförmigen Meeresüberwachungsboje macht das chinesische Ministerium ein nicht näher genanntes ausländisches ozeanisches Forschungsinstitut als Urheber aus. Dank eines hochpräzisen Sensorensystems könne die Boje in Echtzeit Schallwellen aus der Umgebung sowie die akustische Signatur der U-Boote der Volksrepublik erfassen.
Ebenfalls auf der Wasseroberfläche eingesetzt werden sogenannte aus dem Ausland stammende „Wave Glider“. Auf ein solches von den Wellenbewegungen angetriebenes Wassergefährt sind die chinesischen Sicherheitsbehörden demnach schon gestoßen. Dank seiner Solarpaneele kann das Fahrzeug seine Ortungs- und Kommunikationssysteme mit Strom versorgen und militärisch relevante Informationen – etwa über Schiffsaktivitäten – weiterleiten.
China befürchtet aber auch die Spionage vom Deck eines Schiffes. Den Informationen des Ministeriums zufolge stattet ein ausländisches Unternehmen Handels- und Frachtschiffe mit einer neuartigen elektronischen Ausrüstung aus. Dies geschehe unter dem Deckmantel von Navigationsdienstleistungen, in Wirklichkeit handele es sich aber um ein „multimodales Informationserfassungssystem“, das seine Informationen aus verschiedenen Quellen beziehen und damit ein ganzes Seegebiet überwachen kann.
Und nach den Erkenntnissen der chinesischen Sicherheitsdienste bedienen sich die ausländischen Geheimdienste auch der Tierwelt in Form von größeren Meerestieren, die mit Sensoren ausgestattet werden. Auch diese Spionageform habe man bereits entdeckt, erklärte das Ministerium.
Wenn diese zu Unterwasserspionen umgebauten Tiere in einem bestimmten Gebiet schwämmen, würden sie in Echtzeit sensible Daten zur Meeresumwelt sammeln, etwa zur Wassertemperatur, zum Salzgehalt und zu den Meeresströmungen. Diese gesammelten Daten würden dann per Satellit an den Empfänger übermittelt. Die Kenntnis solcher Daten bei ausländischen Geheimdiensten stelle eine große Gefahr für die Sicherheit Chinas dar, erläuterte das Staatssicherheitsministerium.
Man fordere daher gerade Meeresforscher dazu auf, bei verdächtigen Kooperationen Vorsicht walten zu lassen. Die chinesischen Forscher sollten bei internationalen ozeanischen Forschungsprojekten die von ausländischen Einrichtungen bereitgestellte Ausrüstung sorgfältig prüfen, um das Risiko von Datendiebstahl zu minimieren. Fischer seien dazu aufgerufen, Bojen unbekannter Herkunft oder andere verdächtige Gegenstände den Behörden zu melden. Auch Schiffseigner warnte das Ministerium vor fragwürdigen Werbeaktionen, die die Datensicherheit gefährden könnten.
Wo genau sich die verdächtigen Beobachtungen ereignet hatten und welche ausländischen Mächte dahinterstecken könnten, gab die chinesische Behörde nicht an.
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