Soziologen und Philosophen wie Hannah Arendt oder Mattias Desmet, die den Prozess der gesellschaftlich-psychologischen Massenbildung untersuchten, kommen zu dem Ergebnis, dass dieser Prozess zu drei Personengruppen führt. Da ist zunächst die Gruppe, die an die „Erzählung“, den Kristallisationspunkt der Masse, glaubt. Dieser Glaube ebnet überhaupt erst den Weg zur „Masse“. Eine zweite Gruppe glaubt zwar nicht unbedingt an diese massebildende Erzählung, läuft aber aus opportunistischen Gründen mit der ersten Gruppe mit. Schließlich gibt es noch die „störende“ Gruppe derjenigen, die nicht an die Erzählung glaubt und dies den anderen auch zu verstehen gibt. Während die klassischen Werke von Gustave Le Bon und Hannah Arendt in den neunziger und nuller Jahren in den westlichen Staaten vor allem als Analysen historischer Ereignisse wie der Französischen Revolution, des Kommunismus oder des Nationalsozialismus gelesen wurden, haben sie heute eine unheimliche Aktualität wiedererlangt. Es gibt sogar mehrere Erzählungen, die um die Vorrangstellung bei der Massenbildung ringen. Sie alle – die Erzählung vom Postkolonialismus, vom Klimasterben und von der kritischen Gendertheorie – stehen im Zeichen von Ängsten, Schuld und tiefer Verunsicherung.
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