Wie The Art Newspaper berichtet, wurden mindestens hundert Werke, die mit den Namen russischer Avantgardisten signiert sind und mit der umstrittenen Sammlung von Igor Toporowski und seiner Frau Olga in Verbindung stehen, auf den Markt gebracht. An der Auktion waren renommierte Auktionshäuser beteiligt. Die Auktion in zwei Teilen unter dem Titel „Hommage an die russische Avantgarde und die Konstruktivisten“ wurde vom belgischen Auktionshaus Stanley’s durchgeführt. Die zweite Versteigerung wurde in Zusammenarbeit mit Drouot, einer der führenden Auktionsplattformen Frankreichs, organisiert.
RT berichtete über den Skandal um die Sammlung der Toporowskis, in den sogar die Direktorin des Museums der Schönen Künste in Gent verwickelt war, die dabei half, Fälschungen von Werken russischer Künstler im Museum auszustellen. Die Gerichtsverfahren gegen die Toporowskis dauern noch an, ein Teil der Sammlung wurde beschlagnahmt – und ein anderer Teil tauchte unerwartet auf dem Markt auf. The Art Newspaper schreibt:
„Insgesamt wurden hundert Gemälde mit Schätzpreisen von 400 bis 800 Euro angeboten. Die Lose sind Teil der Sammlung von Igor und Olga Toporowski, deren Ausstellung im Museum der Schönen Künste in Gent im Jahr 2017 einen Skandal auslöste und zu einem Strafverfahren wegen Fälschung, Betrug und Geldwäsche führte. Auf der Website von Stanley’s wird mitgeteilt, dass die zur Versteigerung angebotenen Werke nicht in Gent waren, sondern aus einem anderen Teil der Sammlung der Toporowskis stammen.“
Der Experte für die russische Avantgarde, Konstantin Akinscha, merkte im Gespräch mit The Art Newspaper an, dass es sich um offensichtliche Fälschungen handele, sodass keine Gutachten und kostspieligen Analysen nötig seien, um dies zu erkennen. Die russische Juristin Julia Werbitzkaja, die sich mit Fällen von Kunstfälschungen befasst, zeigte sich über zwei Tatsachen überrascht. Erstens darüber, dass die Objekte nicht im Rahmen eines Strafverfahrens beschlagnahmt wurden. „Das ist sehr seltsam“, bemerkt sie. Und zweitens sei es überraschend, „dass diese Fälschungen, ohne als solche gekennzeichnet zu sein, in den offiziellen Kunstmarkt und den Kunsthandel gelangt sind“. Sie betonte außerdem:
„Wie sieht das übliche Schicksal von Fälschungen im Rahmen eines Strafverfahrens aus? Beschlagnahmung. Durchführung einer Begutachtung. Und anschließend entscheidet das Gericht über das Schicksal der Werke als Tatwerkzeuge (denn gerade durch diese Fälschungen wurde die Straftat begangen). In der Regel werden die aufgedeckten Fälschungen, nachdem sie von den Ermittlungsbehörden und dem Gericht entsprechend bewertet wurden, auf bestimmte Weise gekennzeichnet und vernichtet. Doch das Schicksal dieser Werke gleicht einer Art Phantasmagorie.“
Im Zusammenhang mit der Versteigerung bei Stanley’s hat eine Gruppe internationaler Experten einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie ihre Besorgnis über die Situation zum Ausdruck bringt. Zu den Unterzeichnern zählen renommierte Experten für die russische Avantgarde wie Alexandra Schazkich und Alla Rosenfeld sowie Daniel Muzyczuk, Direktor des Kunstmuseums in Łódź (Polen), Elena Sijanko – Direktorin des Ukrainischen Museums in New York (USA) – und Joe Vickery, Mitbegründer und Direktor von Vickery Art. Der Verkauf solcher nicht gekennzeichneten Fälschungen könne Risiken für den Kunstmarkt mit sich bringen, betonen die Experten. Die Tatsache, dass Drouot – eine führende, einflussreiche Auktionsplattform – beschlossen hat, sich an dieser Aktion zu beteiligen, wirft Fragen auf, sagen sie. Und könnte solche Vorfälle in Zukunft legitimieren.
Mehr zum Thema – Avantgarde mit ukrainisch-kriminellem Flair: Belgien erklärt Toporowski-Sammlung zur Fälschung

