Die europäischen Importe von russischem Flüssigerdgas erreichten in den ersten drei Monaten des Jahres 2026 einen Quartalsrekord. Russland bleibe damit der zweitgrößte Flüssigerdgaslieferant der EU, so das Ergebnis einer am Mittwoch veröffentlichten Studie der US-Energie-NGO IEEFA. Vor Beginn der Ereignisse in der Ukraine im Februar 2022 war Deutschland noch der größte Importeur von russischem Gas, nun laut vorliegenden Zahlen Frankreich, Spanien und Belgien.
Die aktuellen Zahlen des „European LNG Tracker“ und der „EU Gas Flows Tracker“ der US-Energie-NGO IEEFA zeigen den jüngsten Auswertungen zufolge, dass sich die europäischen Importe von US-Flüssigerdgas (LNG) zwischen 2021 und 2025 mehr als verdreifacht haben. Dies sei vordergründig auf die Ereignisse seit dem Februar 2022, dem Beginn des Ukraine-Kriegs, und daraus resultierenden politischen Maßnahmen seitens Brüssels zu erklären.
Ana Maria Jaller-Makarewicz, leitende Energieanalystin für Europa bei der IEEFA, wird auf der Webseite mit der Erklärung zitiert:
„Europas Umstellung von Pipelinegas auf LNG sollte Versorgungssicherheit und Diversifizierung gewährleisten. Doch die durch den Krieg im Nahen Osten verursachten Versorgungsunterbrechungen und die übermäßige Abhängigkeit von US-LNG zeigen, dass Europas Plan in beiden Punkten gescheitert ist. LNG ist zur Achillesferse der europäischen Energiesicherheitsstrategie geworden und setzt den Kontinent hohen Gaspreisen und neuen Formen von Versorgungsunterbrechungen aus.“
Vor allem die Regierungen in Paris, Madrid und Brüssel würden laut IEEFA-Studie nun dafür sorgen, dass die EU-Importe „von russischem LNG im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 16 Prozent auf 6,9 Milliarden Kubikmeter gestiegen sind – der höchste Stand seit 2022.
Der NDR erklärt zum Status quo der Abhängigkeit in Deutschland:
„Als der russische Machthaber Wladimir Putin die Gaslieferungen über Pipelines erst drosselte und später ganz stoppte, suchte die damalige Ampel-Regierung unter Kanzler Olaf Scholz (SPD) nach Alternativen. Betreiber der in Norddeutschland neu gebauten LNG-Terminals mussten sich dazu verpflichten, kein russisches LNG ins deutsche Gasnetz einzuspeisen. Ab 2027 gilt sogar ein EU-weites Importverbot.“
Im Vorjahr machte LNG nach Angaben der EU-Kommission 45 Prozent der gesamten EU-Erdgasimporte aus, „der verbleibende Anteil wurde über Pipelines geliefert“, so ein Welt–Artikel zusammenfassend. Jedoch fließe trotz aller restriktiven Vorgaben aus Brüssel weiterhin russisches Gas nach Europa. Die Realität laute daher abseits der medialen Berichterstattung, dass Russland „der zweitgrößte LNG-Lieferant der EU bleibt, obwohl die EU-Kommission ein Ende russischer Gaslieferungen bis 2027 anstrebt.“
Bereits im Februar dieses Jahres musste die ARD-Tagesschau bestätigen, dass „trotz des anhaltenden russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine“ EU-Staaten im Vorjahr Flüssigerdgas (LNG) aus Russland „im Wert von rund 7,4 Milliarden Euro“ importierten, dies belegt durch Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat. Insgesamt wurde dabei im Jahr 2025 LNG für 46 Milliarden Euro in die Europäische Union eingeführt. Der NDR berichtet zu neuesten Zahlen:
„Das russische LNG fließt nicht über die norddeutschen Terminals, sondern aus den Nachbarländern Belgien, Frankreich oder den Niederlanden auch nach Deutschland – und spült so ganz legal Geld in Putins Kriegskasse.“
Insbesondere Frankreich „importierte im ersten Quartal 2026 mehr russisches LNG als jedes andere europäische Land“ und erreichte laut der Studie im Januar einen neuen Höchststand.
Der andauernde Iran-Konflikt samt der fragilen Situation in der Straße von Hormus habe nun zudem dazu geführt, dass EU-Länder noch stärker von seinen beiden größten LNG-Lieferanten, den USA und Russland, abhängig seien, so Jaller-Makarewicz von der IEEFA.
Die sich dynamisierende Energiekrise von 2026 belege, „dass die europäischen Länder, solange sie sich für eine Abhängigkeit von Gas entscheiden, die damit verbundenen geopolitischen Risiken in Kauf nehmen müssen.“
Mehr zum Thema – Das Ende des Kartells? – So wird die Welt nach der OPEC aussehen

