In fünf sächsischen Städten fanden am Wochenende Bürgermeisterwahlen statt. Die größte davon ist Görlitz an der polnischen Grenze mit 55.186 Einwohnern. Die übrigen Städte waren Döbeln (23.819), Werdau (20.520), Aue-Bad Schlema (18.868) und Dippoldiswalde (13.915).
In Sachsen sind die Termine der Bürgermeisterwahlen nicht, wie in vielen anderen Bundesländern, an die der Kommunalwahl gekoppelt. Da die Amtszeit der Bürgermeister sieben Jahre beträgt und die der Kommunalvertretungen fünf, sind parallele Wahlen eher die Ausnahme. Aus diesem Grund werden in Sachsen im Laufe des Jahres noch weitere Bürgermeisterwahlen stattfinden.
In Döbeln, Dippoldiswalde und Werdau traten die bisherigen Amtsinhaber wieder an und wurden alle drei im ersten Wahlgang wiedergewählt. In Görlitz und in Aue-Bad Schlema wird es am 7. Juni Stichwahlen geben. In Görlitz hat der amtierende Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU) mit 49,1 Prozent die nötige Mehrheit knapp verpasst; damit wird er im Juni in der Stichwahl gegen den Zweiten, Sebastian Wippel, antreten, den Kandidaten der AfD, der 44,3 Prozent erhielt. Zwei weitere Kandidaten, Sabine Christian (Linke) und Hagen Jeschke (parteilos), spielten mit Stimmanteilen von 3,4 und 3,2 Prozent nur eine marginale Rolle.
Bundesweit in die Schlagzeilen geriet aber das Wahlergebnis der Kleinstadt Aue-Bad Schlema. Der Grund dafür? Die Stichwahl am 7. Juni wird zwischen dem Kandidaten der Freien Sachsen, Stefan Hartung, und dem CDU-Vertreter Marcus Hoffmann stattfinden, die 29,0 respektive 23,6 Prozent holten. Nicht in die Stichwahl kommen: Danny Weber von den Freien Wählern (22,5 Prozent), Lars Bochmann (AfD, 18,5 Prozent) und Tony Neuß (Linke, 6,4 Prozent).
Aue-Bad Schlema liegt in der Bergwerksregion des Erzgebirges, in der über Jahrhunderte Kupfer, Eisen, später auch Kobalt, Wismut und Nickel abgebaut wurden; in der Zeit der DDR wurde dort vor allem Uranabbau betrieben. Der wurde ab dem Jahr 1990 stillgelegt. Alles, was vom Bergbau übrig blieb, sind einige Museumsschächte.
Die Freien Sachsen, im Jahr 2021 gegründet, sind seit den sächsischen Kommunalwahlen vom Juni 2024 mit insgesamt 78 Mandaten in Kreistagen und Gemeinderäten vertreten. In Aue-Bad Schlema holten sie im Jahr 2024 zwölf Prozent der Stimmen und drei Sitze im Stadtrat. Der Spitzenkandidat der Freien Sachsen, Stefan Hartung, sitzt schon seit dem Jahr 2009 im Gemeinderat von Bad Schlema, ursprünglich für die NPD. Als im Jahr 2019 Bad Schlema und Aue zur Großen Kreisstadt Aue-Bad Schlema zusammengelegt wurden, wurde er auch in den Stadtrat der neuen Stadt übernommen. Im Jahr 2021 wechselte er zu den Freien Sachsen.
Wie die Zahlen zeigen, werden die Stimmen der Wähler von AfD und Freien Wählern in der Stichwahl den Ausschlag geben. Diese Konstellation, in der sich die Bürgermeisterwahl komplett rechts von der CDU entscheidet, dürfte dafür sorgen, dass die sächsische Kleinstadt in den nächsten Wochen zum Ziel zahlreicher Berichte werden wird.
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