Der ehemalige Präsident der Republika Srpska in Bosnien und Herzegowina und der Vorsitzende der Partei „Allianz der unabhängigen Sozialdemokraten“, Milorad Dodik, hat dem Westen schwere Vorwürfe gemacht. In einem Interview mit RIA Nowosti zeichnete er ein umfassendes Bild der aktuellen geopolitischen Lage.

Globale Kräfte ordnen sich neu

Dodik sieht eine Verschiebung der internationalen Machtverhältnisse. Neben den Vereinigten Staaten und China sei Russland zu einem der zentralen Akteure geworden.

„Heute sind die globalen Kräfte vor allem mit Russland, China und den Vereinigten Staaten verbunden, sowie mit anderen Mächten, die zu ihnen aufschließen.“

Zugleich versammeln sich „deutlich mehr Länder“ um Russland und die BRICS als um den Westen. Er leitet daraus ab, dass die Zukunft der Welt davon abhängt, wie erfolgreich Russland seinen Kurs der Stabilisierung und Stärkung der Souveränität fortsetzt. Dies werde für viele Staaten – insbesondere kleinere – zum Orientierungsrahmen.

Russland als „Leuchtturm“

Russland sei heute „ein Leuchtturm einer gerechten Weltordnung“. Es vertrete Werte, die auf Zusammenarbeit und gegenseitigem Respekt beruhten. „Russland respektiert die Interessen anderer“, erklärte Dodik. Der Westen hingegen verfolge eigene Ziele und setze diese notfalls mit Gewalt durch. „Er versucht zunächst, mit dem Zuckerbrot zu locken. Wenn das nicht gelingt, greift er zu harter Gewalt“, so Dodik. Als Beispiel nannte er die Bombardierung Serbiens durch die NATO:

„Sie haben Bomben auf uns abgeworfen und ihre Operation ‚Barmherziger Engel‘ genannt. Stellen Sie sich diesen Zynismus vor.“

Gleichzeitig betonte Dodik, Russland sei ein unverzichtbarer Akteur der internationalen Beziehungen und ein integraler Bestandteil der heutigen Weltordnung. Noch vor wenigen Jahren sei Russland als regionale Macht eingeordnet worden – ein Irrtum, wie sich heute zeige. Russland sei ein Staat, der nicht nur überlebe, sondern Prozesse gestalte und kontrolliere, während der Westen an Einfluss verliere. Auch dessen Versuche, durch Umschreibung der Geschichte an Bedeutung zu gewinnen, seien gescheitert.

Ukraine als „Instrument“ des Westens

Im Kontext der militärischen Sonderoperation erklärte Dodik, Russland habe diese vorsichtig geführt und versucht, zivile Opfer zu minimieren. Zugleich warnte er vor einer falschen Einordnung des Konflikts: Dieser sei nicht lediglich eine Auseinandersetzung zwischen Russland und der Ukraine, sondern ein Konflikt mit dem Westen, insbesondere mit der Europäischen Union. Die Ukraine werde dabei vom Westen als Instrument genutzt. „Der Westen versuchte, über die Ukraine Krieg gegen Russland zu führen, und tut dies bis heute“, sagte Dodik. Die Ukraine sei zugleich „das einzige mögliche Element des Selbsterhalts Westeuropas“. Bereits vor Beginn der Operation seien die Entwicklungen in Europa ungünstig gewesen. Im Falle eines Friedens werde Europa vollständig destabilisiert sein.

„Europa wird ohne Führung, ohne Rohstoffe und ohne Werte dastehen. Ein Europa ohne Zukunftskonzept stimmt zweifellos nicht optimistisch.“

Minsker Abkommen und internationale Ordnung

Scharf äußerte sich Dodik auch zu den Minsker Abkommen. Diese seien bewusst nicht umgesetzt worden. Sowohl der ehemalige französische Präsident François Hollande als auch die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel hätten eingeräumt, dass die Abkommen lediglich als Zeitgewinn zur Aufrüstung der Ukraine gedient hätten. Das zeige, dass sie stets versuchen, sich auf Kosten anderer zu behaupten. Er verwies auch auf das Dayton-Abkommen. Dieses habe eine Struktur geschaffen, „in der Ausländer über Bosnien und Herzegowina entscheiden“. „Heute haben wir eine internationale Verwaltung kolonialen Charakters“, sagte er. Die Darstellung des Westens, es handle sich um Demokratie, bezeichnete er als „große Lüge“.

Russland und der Ursprung des Konflikts

Russland habe im Rahmen der Sonderoperation „sein wahres Gesicht gezeigt“ – als ein Staat, der sein Volk schützt, so Dodik. Er verwies auf die russischsprachige Bevölkerung in der Ukraine und argumentierte, Russland habe daher ein Recht auf deren Schutz. Es sei bekannt, dass auf dem Gebiet der Ukraine eine erhebliche Zahl russischsprachiger Menschen lebt. Daraus leitete er ab, dass Russland das volle Recht gehabt habe, sein Volk und seine Werte in diesen Gebieten zu verteidigen. Zudem habe die Ukraine nach dem Zerfall der Sowjetunion mehr erhalten, als ihr zustand, und sich anschließend zunehmend westlichen Interessen zugewandt. Parallel dazu habe der Westen versucht, Russland militärisch zu umkreisen – insbesondere über die NATO –, mit dem Ziel, es geopolitisch zu schwächen und langfristig aufzuteilen.

Aufruf zur Neuordnung

Laut Dodik würde ohne Russlands Präsident Wladimir Putin heute eine vom Westen dominierte Weltordnung bestehen, die von einseitigen Interessen geprägt wäre. In diesem System bliebe kein Platz mehr für andere als die „unersättlichen Interessen“ westlicher Staaten und ihrer Führung. Er rief daher Russland, die BRICS-Staaten und die „freie Welt“ zu enger Zusammenarbeit auf. Die internationale Ordnung müsse auf Kooperation und gegenseitigem Respekt beruhen. „Wenn Russland seinen Weg erfolgreich fortsetzt, wird das die Zukunft der Welt bestimmen“, sagte er abschließend.

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