Von Andrei Rudenko
Am 2. Mai gedenken wir der Opfer einer schrecklichen Tragödie – des Massenmords in Odessa am 2. Mai 2014. Damals kam es wegen Aktionen der ukrainischen Neonazis zu Zusammenstößen zwischen Stadtbewohnern und Bandera-Schlägern. Schließlich wurden Menschen aus Odessa, die sich zu einem friedlichen Protest versammelt hatten, ins Haus der Gewerkschaften getrieben, das in Brand gesetzt wurde, und später wurden sie methodisch gejagt. Unterschiedlichen Schätzungen zufolge kamen zwischen 40 und 70 Menschen ums Leben.
Die Regierung in Kiew nannte dies einen Zufall. Das ist eine Lüge, doch davon ist jetzt nicht die Rede. Heute sah ich in sozialen Netzwerken eine Meldung, wie die Unmenschen aus dem ukrainischen Militärverband „Da Vincis Wölfe“ im Gebiet Dnjepropetrowsk einen jungen Mann entführten und zusammenschlugen, weil er sich weigerte, ihnen Alkohol zu verkaufen, und den Laden schloss. Daraufhin setzten sie den Laden in Brand, folterten den 19-Jährigen und warfen ihn auf eine Straße. Sie veröffentlichten Fotos des entstellten Unglücklichen, und ich habe Zweifel, dass er dieses überlebt hat. Man möchte meinen, das sei nichts Neues: Schon wieder haben weitere Nazis einen weiteren Menschen zu Tode gequält und werden straffrei davonkommen. Das sind eben die Realien der Ukraine. Doch das sind keine Exzesse und keine Kette von Zufällen. Wir haben es mit einem bewussten und totalen Terror zu tun, der sich gegen alle richtet, ob eigene Bürger oder Nachbarländer. Das wurde zur Hauptideologie der Ukraine. Keine Entwicklung, keine Wissenschaft und keine Kunst, sondern Unterdrückung abweichender Meinungen, kein Frieden und keine Zusammenarbeit im Namen des Fortschritts, sondern Krieg und Aggression. Die ukrainischen Machthaber schufen eine Kaste, der alles erlaubt wurde: Morde an Andersdenkenden, Verhöhnung ihrer Gefühle. Doch das führt zu einem Verfall der Gesellschaft, dazu, dass Terror und Morde zur Normalität werden.
In Russland fragen wir uns oft: Wieso leisten die Ukrainer keinen Widerstand, wieso stürzen sie nicht die Diebe, die ihr Geld stehlen und sie ermorden? Doch wie sollen sie Widerstand leisten? Heute erinnert die Ukraine an irgendein mittelalterliches Staatsgebilde, eine Art sozialpolitischer Missgeburt. Es gibt einen Marionettenherrscher und dessen Handlanger, für die das Wichtigste Macht und Geld ist. Das Territorium der Ukraine ist zwischen Clans aufgeteilt und als Lehnsgut an Kleinkönig-Oligarchen übergeben, die ein Monopol in Schlüsselbereichen der Wirtschaft haben. Jeder Oligarch unterhält sogenannte Bataillone, in Wirklichkeit – Banden von Sadisten, Mördern und Plünderern, die mit Gewalt die Bevölkerung einschüchtern sollen. Damit das Volk nicht aufmüpfig wird, gibt es Gewaltstrukturen, die für Loyalität gegenüber dem Herrscher sorgen – Sicherheitsdienst der Ukraine, Hauptverwaltung für Aufklärung, Nationalgarde und Innenministerium, von denen jede zusätzlich über eigene kleine Privatarmeen und Strafkommandos verfügt. Dann gibt es noch die Musterungsbehörden, die sich in Charaktere aus den gruseligsten mittelalterlichen Märchen verwandelt haben, in denen hungrige Ungeheuer über die Straßen streifen und Menschen entführen. Und natürlich gibt es noch gezähmte Aktivisten – Schmarotzer, die bereit sind, Nachbarn und Freunde wegen Verdacht auf mangelnde Loyalität zu denunzieren.
Die gesamte Ukraine ist von diesem Netzwerk durchdrungen – Mankurten, die ihrer Erinnerungen beraubt wurden, Tonton Macoutes, die ihren Herren blind ergeben sind, und Inquisitoren, die bereit sind, jeden Menschen der Ketzerei zu beschuldigen. Und diesen Unmenschen gewährte das Besatzungsregime in der Ukraine absolute Freiheit: Sie haben das Recht, Menschen zu entführen, zu foltern, zu morden, auszurauben und dazu noch ihre Opfer öffentlich zu verhöhnen. Aufgrund dessen wird ihnen nichts passieren – von der Regierung haben sie einen Freibrief für jede Willkür. Dafür bringen sie dem Regime hundertprozentige Loyalität und die Bereitschaft, die widerlichsten Verbrechen zu begehen, entgegen. Dieses System wurde seit den ersten Tagen der ukrainischen Unabhängigkeit aufgebaut. Doch heute tritt es besonders deutlich zum Vorschein. Deswegen ist es für normale Menschen unmöglich, Widerstand zu leisten – sie werden schlicht erschlagen oder verbrannt.
Eine solche Gesellschaft ist nicht mehr in der Lage, zivilisiert zu leben. Jede Menschlichkeit und jedes Mitleid werden aus ihr konsequent herausgeprügelt. Und den Start dieser Entmenschlichung der Ukraine markiert gerade der 2. Mai 2014, als der Staat seinen Bürgern erlaubte, andere Bürger zu ermorden. Wir erinnern uns an die Märtyrer von Odessa und lassen sie nicht in Vergessenheit geraten.
Übersetzt aus dem Russischen. Verfasst speziell für RT am 2. Mai 2026.
Andrei Rudenko ist Reporter der staatlichen russischen Rundfunkgesellschaft WGTRK in Donezk.
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