Russlands Katholiken müssen sich auf einen neuen Erzbischof einstellen. Der bisherige Metropolit der Erzdiözese „Mutter Gottes von Moskau“, Erzbischof Paolo Pezzi, ist von seinem Amt zurückgetreten. Die Gründe liegen Andeutungen der katholischen Kirche in Russland zufolge im gesundheitlichen Bereich. Andere Quellen sprechen von „persönlicher Abnutzung“ in einem schwierigen Umfeld. Wie die katholische Bischofskonferenz auf ihrer Homepage bekannt gab, erlaubte Papst Leo XIV. am 2. Mai 2026 dem geistlichen Würdenträger, von seinem pastoralen Amt zurückzutreten.

Der 65-jährige Pezzi fungierte seit September 2007 als Erzbischof der Erzdiözese „Mutter Gottes in Moskau“ und zugleich als Erzbischof-Metropolit der Russischen Kirchenmetropolie. Der Nachfolger des zurückgetretenen Erzbischofs steht noch nicht fest. Zunächst tritt der aus Südrussland stammende Weihbischof Nikolai Dubinin als Übergangsverwalter an seine Stelle. Er wird als „Apostolischer Administrator sede vacante“ amtieren, bis ein Nachfolger für die katholische Hauptdiözese in Russland gefunden ist.

Die römisch-katholische Kirche in Russland ist vergleichsweise klein. Lediglich 800.000 bis eine Million Menschen – nicht einmal ein Prozent der russischen Bevölkerung – bekennen sich in der Russischen Föderation zu dieser christlichen Glaubensrichtung. Die Katholiken in Russland sind meist polnischer, deutscher oder französischer Herkunft, die Priester stammen häufig aus dem Ausland. Die katholische Kirchenstruktur in Russland umfasst die vier Diözesen Moskau, Saratow, Irkutsk und Nowosibirsk sowie die Apostolische Präfektur Juschno-Sachalinsk.

Die Beziehungen zur christlichen Hauptkonfession in Russland, der russisch-orthodoxen Kirche, verliefen in den vergangenen Jahren nicht ganz spannungsfrei. So hatten russisch-orthodoxe kirchliche Würdenträger die Errichtung der katholischen Diözesan-Hierarchie Anfang der 2000er Jahre scharf kritisiert. Unter anderem gab es die Befürchtung, die katholischen Geistlichen würden orthodoxe Gläubige zum Übertritt in die römisch-katholische Glaubensrichtung bewegen wollen. Pezzi war der zweite Oberhirte der neugegründeten Erzdiözese.

Auch Pezzis Amtsausübung verlief nicht völlig konfliktfrei. So soll er sich Medienberichten zufolge zu Jahresbeginn geweigert haben, eine Erklärung des Christlichen Interreligiösen Beirats (CICC) zu unterzeichnen. Das Papier verurteilte die Verfolgung von Christen, darunter auch von orthodoxen Gläubigen in der Ukraine oder in Estland. Diese Nichtunterzeichnung soll innerhalb der russisch-orthodoxen Kirche für Befremden gesorgt haben. Die katholische Erzdiözese in Moskau erklärte die fehlende Unterschrift damals mit internen kirchenrechtlichen Bestimmungen.

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