Die Bürger Bulgariens mussten bereits zum achten Mal binnen fünf Jahren an die Wahlurne treten, um über die politische Zukunft ihres Landes abzustimmen. Laut letzten vorläufigen Ergebnissen hat die sogenannte „Radew Koalition Progressives Bulgarien“ 43,4 Prozent der Stimmen erhalten. Gefolgt von der PP-DB des geschäftsführenden Ministerpräsidenten Andrei Gjurow mit 13,9 Prozent. Die Partei von Ex-Ministerpräsident Bojko Borissow liegt abgeschlagen auf dem dritten Platz.

Laut Agenturmeldungen vom späten Sonntagabend, nach Auswertung von rund 80 Prozent der Wählerstimmen, gilt der ehemalige bulgarische Präsident Rumen Radew mit rund 44 Prozent Zustimmung als eindeutiger Sieger. Die pro-europäische, liberale Reformkoalition landete mit rund 14 Prozent auf dem zweiten Platz. Die ARD-Tagesschau kommentierte über den Wahlsieger, dass Radew der beliebteste Politiker des Landes sei, „auch wenn Kritiker ihm schon länger eine Russlandnähe vorwerfen.“ 

Die Wahl ist die achte im Land innerhalb von fünf Jahren und spiegelte den politischen Kampf zwischen pro-europäischen und souveränistischen Kräften dar. Die Partei des Wahlverlieres Borissow steht dabei auf der unterstützenden Linie der Brüsseler Außenpolitik. Er versicherte noch am Wahlsonntag, dass seine Partei „die Ukraine voll und ganz unterstützt.“

Radew hat demgegenüber angekündigt, die Beziehungen zwischen Ost- und Westeuropa ausgleichen zu wollen sowie „ein modernes europäisches Bulgarien“ aufzubauen. Der Wahlsieger hatte zuvor außerdem angekündigt, nach einem Sieg „praktische Beziehungen zu Russland auf der Grundlage gegenseitigen Respekts“ etablieren zu wollen.

Der vorraussichtliche Wahlgewinner hatte sich zudem im Vorfeld gegen weitere EU-Hilfen für die Ukraine ausgesprochen, und dem „Würgegriff der oligarchischen Mafia“ über Bulgarien den Kampf angesagt.

Borissow war zuvor der am längsten amtierende Ministerpräsident des Landes, dabei von 2009 bis 2021 im Amt. Radew ist ein ehemaliger Kampfpilot, der von 2017 bis 2026 als bulgarischer Präsident fungierte. Die beiden gerieten während ihrer sich überschneidenden Amtszeiten öffentlich aneinander, wobei Radew die Antikorruptionsproteste von 2020 unterstützte, die zum Sturz von Borissow führten.

Mit den noch möglichen bis zu 45 Prozent der Stimmen könnte das Siegerbündnis mit bis zu 140 Abgeordneten in dem 240 Sitze umfassenden Parlament final über die absolute Mehrheit verfügen. Das amtliche Endergebnis wird bis Donnerstag erwartet.

Die Wahlbeteiligung lag nach Angaben des Meinungsforschungsinstituts Alpha Research bei 51 Prozent. Der Wahlsieger Radew hatte zu Jahresbeginn am Abend des 19. Januar in einer Ansprache an die Nation mitgeteilt, dass er sein Amt als Präsident niederlegen werde (RT DE berichtete).

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