Weißrussland ist bereit für ein umfassendes Abkommen mit den Vereinigten Staaten. Dies erklärte der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko in einem Interview mit dem RT-Moderator Rick Sanchez. Der Präsident führte dazu aus:
„Aber es muss vorbereitet werden, damit die Interessen sowohl der Vereinigten Staaten von Amerika als auch Weißrusslands darin enthalten sind. Sobald wir das auf niedrigerer Ebene vorbereitet haben, sind wir bereit, uns mit Donald zu treffen und dieses Abkommen zu unterzeichnen.“
Lukaschenko betonte, die Amerikaner müssten endlich verstehen, dass die Sanktionen ihre Wirkung nicht erfüllt haben. Dies hätten bereits viele in Europa erkannt. Weißrussland habe sich angepasst. Daher seien politische Gefangene und Sanktionen nur eine „Kleinigkeit“. Es gebe viel größere Fragen, die geregelt werden müssten. Dies sei Thema eines großen Deals.
Zugleich machte Lukaschenko deutlich, dass ein mögliches Treffen mit Donald Trump für ihn kein Selbstzweck ist. „Ich bin ja nicht Wladimir Selenskij, der zu Donald Trump laufen wird, um Geld oder Waffen zu erbitten“, so der Präsident.
Zwar brauche Weißrussland beides, räumte er ein:
„Brauche ich das? Ja. Geld wäre nicht schlecht und Waffen auch nicht. Aber ich verstehe, dass ich mich in einer völlig anderen Situation befinde als Selenskij. Ich muss mich nicht verbeugen und um etwas bitten. Danke. Es wäre schön, aber wir kommen auch so zurecht.“
In diesem Zusammenhang wies er Spekulationen über ein starkes persönliches Interesse an einem Besuch in den USA zurück:
„Es stimmt nicht, dass ich brenne von dem Wunsch, in die Vereinigten Staaten zu reisen und Donald Trump einfach die Hand zu schütteln.“
Zugleich betonte Lukaschenko, ein Treffen dürfe kein „Treffen eines Vasallen mit einem Imperator“ sein.
„Wenn die amerikanische Seite meint, dass es morgen zu einem solchen Treffen kommt, dann wird es nicht stattfinden. Das ist keine aufgeblasene Rhetorik und auch kein politisches Imponiergehabe. Das ist die Politik eines echten Präsidenten, der sein eigenes Volk respektiert.“
Mit Blick auf die sicherheitspolitische Lage erklärte er, dass die USA aus seiner Sicht keine militärische Konfrontation mit Weißrussland verfolgten. „Ich glaube nicht, dass die Amerikaner sich zum Ziel setzen, gegen Weißrussland Krieg zu führen“, sagte er und verwies auf Kontakte „nicht nur zu Politikern, sondern auch zu nahestehenden Personen“ Trumps.
Im Falle eines Konflikts würde dieser seiner Einschätzung nach eher von Territorien wie den baltischen Staaten oder Polen ausgehen.
Lukaschenko sieht darüber hinaus eine mögliche diplomatische Dimension der Kontakte zu Washington. So hält er es für denkbar, dass die USA über Minsk einen Zugang zu Moskau suchen. „Vielleicht tastet Trump eine bestimmte Position Weißrusslands ab und projiziert sie auf Russland“, sagte er. „Das wäre normal und vernünftig. Zumindest werden wir alles dafür tun.“ Vor diesem Hintergrund rief er die USA zu Verhandlungen mit Russland auf.
„Sie können sich einigen, besonders während der Präsidentschaft von Wladimir Putin. Er ist ein Mensch, mit dem man nicht nur reden, sondern auch Vereinbarungen treffen kann. Aber man muss klar verstehen: Versprochen ist versprochen.“
Zugleich unterstrich Lukaschenko die enge Bindung zwischen Minsk und Moskau.
„Wir sind ihre engsten Verbündeten. Weißrussland heute zu verlieren, ist für Russland inakzeptabel. Früher sagte man: Dann steht der Feind in Smolensk, vor Moskau.“
Russland habe zudem klargemacht, dass es Weißrussland im Ernstfall mit allen verfügbaren Mitteln verteidigen werde. „Das weiß die ganze Welt.“
Auch die Stationierung russischer taktischer Atomwaffen in Weißrussland bezeichnete Lukaschenko als Sicherheitsgarantie.
„Warum hätte ich diese Waffen sonst hierher bringen sollen? Das ist ein Faktor unseres Schutzes, unserer Sicherheit.“
Ein Angriff auf Weißrussland hätte daher weitreichende Folgen.
„Ein Zusammenstoß mit Weißrussland ist ein Zusammenstoß mit Weißrussland und Russland“, sagte er. Im Westen Russlands sei eine Gruppierung stationiert, die die weißrussische Armee im Kriegsfall sofort unterstützen würde. „Welche Waffen sie haben, wissen Sie. Deshalb wollen wir keinen Krieg“, so Lukaschenko abschließend.
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