An diesem Sonntag, dem 12. April, finden in Ungarn Parlamentswahlen statt. Die Zeitung Iswestija berichtet über den Ablauf der Parlamentswahlen in Ungarn und darüber, wer bei den Wahlen antritt.

Einer der beiden Hauptkandidaten für den Wahlsieg ist die Fidesz-Partei des amtierenden Ministerpräsidenten Viktor Orbán. Seit 1990 hat sie an allen Wahlen teilgenommen und ist schon seit 2010 an der Macht. Von 1998 bis 2002 stellte sie die Mehrheit im Parlament.

Orbán selbst bezeichnet die Ideologie der Partei Fidesz als illiberale Demokratie, während diese Partei von Beobachtern als rechtsextrem und nationalkonservativ angesehen wird. Die Politik der Partei unterstützt Euroskeptizismus und steht der Massenmigration, dem Multikulturalismus und der Einmischung in die Angelegenheiten anderer Staaten ablehnend gegenüber. In ihrer Außenpolitik ruft die Partei zur Aufhebung der antirussischen Sanktionen und zum Verzicht auf die finanzielle und militärische Unterstützung für die Ukraine auf.

In die Wahlen geht Orbáns Partei in einer Koalition mit der Christlich-Demokratischen Volkspartei (Kereszténydemokrata Néppárt, kurz KDNP), die traditionelle und christliche Werte unterstützt.

Die Tisza-Partei, die zum ersten Mal an den Wahlen teilnimmt und deren Vorsitzender das ehemalige Fidesz-Mitglied Péter Magyar ist, gilt als Orbáns Hauptkonkurrent. Vor den Wahlen erklärte die Partei den Kampf gegen die Korruption zu ihrem Hauptziel. Außerdem nahm sie eine proeuropäische und prowestliche Haltung ein.

Iswestija weist darauf hin, dass Péter Magyar zwar die Fidesz-Partei und Viktor Orbán kritisiert, beide Parteien jedoch die Begrenzung der Migration und der Ukraine-Hilfe unterstützen. Darüber hinaus hat Magyar Anfang März die EU aufgefordert, die Beziehungen zum ukrainischen Präsidenten Wladimir Selenskij wegen dessen offener Drohungen gegen den ungarischen Ministerpräsidenten abzubrechen.

Die Wahlkampagne der Tisza-Partei wurde von mehreren kleineren Oppositionsparteien unterstützt, die an den Wahlen selbst nicht teilnehmen, ihre Wähler aber dazu aufrufen, ihre Stimme für Tisza abzugeben.

Eine weitere Partei, die sich zur Wahl stellt, ist die rechtsextreme Partei Mi Hazank (Unsere Heimat, kurz MH), die im Jahr 2018 gegründet wurde. Sie fordert die wirtschaftliche Unabhängigkeit Ungarns und den Abriss der sowjetischen Denkmäler, darunter auch derjenigen, die den Opfern des Großen Vaterländischen Krieges gewidmet sind. Während der COVID-19-Pandemie hatte MH zur Impfverweigerung aufgerufen.

Die vierte Partei ist die sozialdemokratische Partei der Demokratischen Koalition (Demokratikus Koalíció Pártja, kurz DK). Im Jahr 2010 hat sich die DK von der Ungarischen Sozialistischen Partei abgespalten, welche einst neben Fidesz eine der beiden führenden politischen Kräfte war. Die Partei steht in Opposition zu Orbán und unterstützt eine schrittweise europäische Integration

Die ungewöhnlichste der großen Parteien Ungarns ist die sogenannte Partei des zweischwänzigen Hundes (Magyar Kétfarkú Kutya Párt, kurz MKKP). Sie parodiert die Wahlkämpfe und verspottet andere politische Kräfte. Nach ihrer Gründung hat die MKKP den Wählern ewiges Leben, eine Ein-Tage-Arbeitswoche und zwei Sonnenuntergänge pro Tag versprochen. Trotz dieser absurden Versprechungen gewinnt die Partei regelmäßig Sitze in Gemeinderäten bei Kommunalwahlen. Die Partei nimmt bereits zum ditten Mal an den landesweiten Wahlen teil.

Die Parlamentswahlen in Ungarn finden alle vier Jahre statt. Dabei werden 199 Abgeordnete der Nationalversammlung gewählt. Das Einkammerparlament des Landes bildet die Regierung und ernennt den Premierminister. Die bevorstehenden Wahlen sind die zehnten in der Geschichte Ungarns seit dem Ende des Sozialismus im Land.

Von den 199 Abgeordneten werden 106 in Einpersonenwahlkreisen nach dem Mehrheitswahlrecht gewählt. Dies bedeutet, dass das Mandat an die Person geht, die die meisten Stimmen erhält, selbst wenn die Gesamtzahl weniger als 50 Prozent beträgt. 93 Abgeordneten werden über nationale Parteilisten gewählt. Die Wahlhürde beträgt fünf Prozent für Einzelparteienlisten, zehn Prozent für Zweiparteienlisten und 15 Prozent für Bündnisse aus drei oder mehr Parteien.

Darüber hinaus können 13 nationale Minderheiten jeweils einen der insgesamt 93 landesweiten Sitze erhalten, sofern sie ihre Liste registrieren lassen und mindestens 0,27 Prozent der Stimmen erzielen.

Eine Partei muss Kandidaten in 71 Wahlkreisen und mindestens in 14 Regionen sowie in Budapest haben.

Im Jahr 2026 gibt es insgesamt fünf solche Parteien und Koalitionen: die Koalition von Fidesz und der Christlich-Demokratische Volkspartei (KDNP), die Partei Tisza, die Partei Mi Hazank (MH), die Demokratische Koalition (DK) und die Satirepartei des zweischwänzigen Hundes (MKKP).

Weitere acht Parteien und 33 unabhängige Kandidaten kämpfen bei diesen Wahlen um Sitze in einzelnen Wahlkreisen.

Die ungekürzte Fassung des Artikels ist auf Russisch am 10. April 2026 auf der Webseite der Zeitung „Iswestija“ erschienen.

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