Der Oppositionsführer Jair Lapid von der liberalen Partei Jesch Atid („Es gibt eine Zukunft“) bezeichnet den Waffenstillstand als ein diplomatisches Desaster ‒ insbesondere, da Israel dabei nicht einmal habe mitverhandeln dürfen. Der Vorsitzende der Partei für ein säkulares Israel erklärte:

„Es gab in unserer Geschichte noch nie ein solches diplomatisches Desaster. Israel saß nicht einmal mit am Verhandlungstisch, als Entscheidungen über Kernfragen unserer nationalen Sicherheit getroffen wurden.“

Dagegen lobte Lapid das israelische Militär und die angeblich so widerständige israelische Bevölkerung. Es sei Netanjahu, der komplett versagt habe: In einem Beitrag auf X schrieb Lapid, dass „das Militär alles getan hat, was von ihm verlangt wurde, und die Öffentlichkeit bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit bewiesen hat.“ Netanjahu habe diplomatisch versagt, strategisch versagt und kein einziges seiner selbst gesetzten Ziele erreicht.

Aus der israelischen Regierung habe zunächst nur ein einziger Koalitionsabgeordneter reagiert, hieß es am Mittwoch in einem Bericht der Haaretz. Damit bezog sich die Zeitung auf Zvika Fogel von der rechtsextremen Partei „Otzma Yehudit“. Dieser habe sich am Mittwochmorgen mit der öffentlichen Botschaft an den US-Präsidenten gewandt: „Donald, aus dir ist eine Ente geworden!“

Auch nach Auffassung des Vorsitzenden der israelischen Demokraten, Jair Golan, sei keines der Kriegsziele erreicht worden. Mit der Stärkung Irans sei sogar das Gegenteil der US-israelischen Kriegsziele eingetreten. Und obendrein dürfe Israel wieder einmal nicht mitentscheiden. Dazu schrieb Golan: 

„Das Regime bleibt an der Macht und geht sogar gestärkt aus diesem Krieg hervor. Iran behält sein angereichertes Uran, kontrolliert die Straße von Hormus und diktiert die Bedingungen. Und Israel ist – wie schon in Gaza – wieder einmal nicht mit am Tisch. Es trifft keine Entscheidungen. Es hat keinen Einfluss.“ Der Waffenstillstand sei ein „völliger Fehlschlag, der Israels Sicherheit auf Jahre hinaus gefährdet“.

Der Vorsitzende der Partei „Yisrael Beiteinu“, Avigdor Lieberman, kritisierte, der Waffenstillstand verschaffe Iran „eine Atempause“, um sich neu zu formieren. Bei jeder weiteren Runde müsse Israel einen höheren Preis zahlen. Lieberman erklärte:

„Jedes Abkommen mit Iran, bei dem dieser nicht sein Ziel aufgibt, Israel zu vernichten, die Urananreicherung einzustellen, die Produktion ballistischer Raketen zu beenden und die Unterstützung für Terrororganisationen in der Region einzustellen, bedeutet, dass wir unter schlechteren Bedingungen in eine weitere Verhandlungsrunde zurückkehren und einen höheren Preis zahlen müssen.“

Mit besonderer Ironie reagierte der Abgeordnete Ahmad Tibi:

„Wow, die Straße von Hormus ist offen. Eine riesige, historische Errungenschaft des Duos Trump-Netanjahu. Sie war schon vor dem Krieg offen und ist es jetzt wieder – mit einem Bonus: Iran wird von jedem Schiff Transitgebühren verlangen. Allein dafür wird Trump einen Nobelpreis für Hormus fordern.“

In der Nacht zum Mittwoch hatte US-Präsident Donald Trump erklärt, er habe einem etwa zweiwöchigen Waffenstillstand zugestimmt, bis eine endgültige Einigung mit Iran erzielt sei. Die US-Regierung habe einen 10-Punkte-Vorschlag aus Teheran erhalten, der seiner Ansicht nach eine Verhandlungsgrundlage biete. Von offizieller Seite kam in der Nacht zum Mittwoch aus Israel nur eine Stellungnahme, die vom Büro des israelischen Premierministers veröffentlicht wurde. Darin hieß es lediglich, Israel unterstütze Trumps Entscheidung.

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