Pedro Sánchez: „Wir dürfen nicht mit dem Schicksal von Millionen von Menschen Russisches Roulette spielen lassen!“

Von REDAKTION | Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez gab am 4. März 2026 eine programmatische Grundsatz-Erklärung aus dem Moncloa-Palast in Spanien zu den ausufernden Kriegshandlungen im Nahen Osten ab. Pedro Sánchez erklärte, dass die Position Spaniens gegenüber den Angriffen der USA und Israels auf den Iran „in vier Worten“ mit „Einem Nein zum Krieg“ zusammengefasst werden kann.

Er warnte, dass es sei „naiv” wäre davon auszugehen, dass „blinde und servile Gefolgschaft gleichbedeutend mit Führung” sei: Er hat mit dieser Aussage wohl die mediokre Staatspolitik vieler seiner Amtskollegen in den EU-Staaten im Auge gehabt – allen voran das Trio-Infernal, gebildet aus Vereinigtem Königreich, Frankreich und Germany.

Pedro Sánchez fordert, die Kampfhandlungen im Nahen Osten umgehend einzustellen, um vielmehr eine diplomatische Lösung zu erreichen. Nach seiner Meinung dürfe „Gesetzwidrigkeit nicht mit weiterer Gesetzwidrigkeit“ begegnet werden.

Der spanische Ministerpräsident bekräftigt die Weigerung Spaniens, sich an den Kriegshandlungen gegen den Iran zu beteiligen. Er ließ zugleich den USA die Nutzung ihrer Militärstützpunkte in Rota und Morón auf spanischem Territorium zur Unterstützung von US-Militäroperationen entziehen. US-Präsident Donald Trump drohte Spanien darauf umgehend mit Vergeltungsmaßnahmen in Form eines „Wirtschafts-Embargos” und dem Abbruch der Wirtschaftsbeziehungen.

Pedro Sánchez forderte die internationale Gemeinschaft auf, nicht einmal mehr die „Fehler aus der Vergangenheit“ zu wiederholen und erinnerte an die Ursprünge des Ersten Weltkrieges mit all seinen unbeherrschbaren Kettenreaktionen.

Die Erklärung von Pedro Sánchez zur Haltung der
spanischen Regierung im Nahost Konflikt im Transkript auf Deutsch

Wie Sie wissen, haben die Vereinigten Staaten und Israel am vergangenen Samstag den Iran angegriffen, der darauf neun Länder in der Region und eine britische Basis in einem europäischen Staat auf Zypern wahllos bombardieren ließ. Zunächst möchte ich die Solidarität des spanischen Volkes mit den Ländern zum Ausdruck bringen, die vom iranischen Regime illegal angegriffen wurden. Seither gingen die Feindseligkeiten, wenn nicht sogar verstärkt, weiter und führten:

Massen-Grabfeld für 171 iranische Schülerinnen und ihre Lehrer, die dem US-israelischen Angriff am 28.2.2026 zum Ofer fielen | Quelle: Iranian Foreign Media Department
  • zu Hunderten von Todesopfern in Wohnhäusern, Schulen und Krankenhäusern!
  • zum Einbruch internationaler Börsen!
  • zu Störungen des Flugverkehrs und der Straße von Hormuz, durch die bis vor kurzem 20% des gesamten weltweiten Gas- und Ölverkehrs passierten!

Niemand kann sicher vorhersagen, was als Nächstes passiert. Nicht einmal die Ziele derjenigen [Anmerkung der Redaktion: USA/Israel], welchen den ersten Angriff unternahmen, sind klar. Aber wir müssen, wie die [Kriegs-]Befürworter erklären, auf die Möglichkeit vorbereitet sein, dass dies ein langer Krieg mit zahlreichen Opfern und damit auch schwerwiegenden globalen wirtschaftlichen Folgen werden könnte.

Die Position der spanischen Regierung angesichts dieser Situation ist klar und konsequent:

Sie entspricht der Position, die wir in Bezug auf die Ukraine oder auch Gaza schon eingenommen haben!

Erstens: Ein „Nein“ zum Bruch des Völkerrechts, das uns alle schützt, insbesondere die Wehrlosesten: Die Zivilbevölkerung.
Zweitens: Wir dürfen nicht davon ausgehen, dass die Welt ihre Probleme nur mit Kampf und Bomben lösen kann. Dazu dürfen wir die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen.

Letztendlich lässt sich die Position der spanischen Regierung in vier Worten zusammenfassen, mit: „Einem Nein zum Krieg!“

Die Welt, Europa und Spanien haben das schon einmal erlebt: Vor 23 Jahren hat uns eine andere US-Administration [Anmerkung der Redaktion: Unter US-Präsident G. W. Bush] in einen Krieg im Nahen Osten hineingerissen. Ein Krieg, der nach damaliger Theorie dazu hätte führen sollen, Saddam Husseins [vermeintliche] Massenvernichtungswaffen zu vernichten, Demokratie zu schaffen und die globale Sicherheit zu gewährleisten. Doch in Wirklichkeit, rückblickend betrachtet, wurde das Gegenteil bewirkt. Jener [Anmerkung der Redaktion: Dritter Golfkrieg oder Zweiter Irakkrieg vom 20.3.2003 bis zum Ende der Besatzung im Jahr 2011] hat die größte Welle an Unsicherheit, die unser Kontinent seit dem Fall der Berliner Mauer erlebt hat, mit sich gebracht:

Der Irakkrieg führte zu einem drastischen Anstieg des dschihadistischen Terrorismus, einer schweren Migrationskrise im östlichen Mittelmeerraum und einem allgemeinen Anstieg der Energiepreise und damit auch der Lebenshaltungskosten. [Anmerkung der Redaktion: Sogenannter «dschihadistischer Terrorismus» wird in der Mehrzahl der Fälle von westlichen Nachrichtendiensten organisiert und instrumentalisiert].

Das war das Geschenk des Azoren-Trios an die damaligen Europäer:

Eine unsicherere Welt und ein schlechteres Leben!

[Anmerkung der Redaktion: Mit «Azoren-Trio» bezieht sich Pedro Sánchez auf G. W. Bush (US), Tony Blair (UK) und José María Aznar López (Spanien)]

Es ist zwar noch zu früh, um zu sagen, ob der Krieg gegen den Iran ähnliche Folgen, wie der Krieg gegen den Irak nach sich ziehen oder zum Sturz des schrecklichen Regimes der Ayatollahs im Iran und zur Stabilisierung der Region beitragen werde. Was wir jedoch wissen, ist, dass er [dieser neue Krieg] weder zu einer gerechteren internationalen Ordnung noch zu höheren Löhnen, besseren öffentlichen Dienstleistungen oder einer gesünderen Umwelt führen würde. Tatsächlich können wir inzwischen vielmehr wirtschaftliche Unsicherheit, sowie steigende Öl- und Gaspreise erwarten.

Deshalb sind wir in Spanien gegen dieses Desaster, denn wir sind der Meinung, dass Regierungen dazu da sind, das Leben der Menschen zu verbessern, Lösungen für Probleme zu finden, doch nicht, das Leben der Menschen zu verschlechtern. Es ist absolut inakzeptabel, dass diejenigen Führer, die dieser Aufgabe nicht gewachsen sind, hinter dem Pulverdampf des Krieges ihr Versagen verschleiern, um nebenher die Taschen einiger weniger zu füllen: Jene der üblichen Verdächtigen und einzigen, welch davon profitieren, indem dann die Welt anstelle von Krankenhäusern nur noch Raketen bauen lässt!

Angesichts dieser Lage wird die progressive Koalitionsregierung dasselbe tun, was sie auch in anderen Konflikten und internationalen Krisen getan hat. [Anmerkung der Redaktion: Das Kabinett Sánchez III umfasst eine Koalition unter der PSOE (Spanische Sozialistische Arbeiterpartei) mit IU (Sumer) und ihrer Mehrheit, unterstützt durch ERC (Republikanische Linke Kataloniens) zusammen mit Junts (Zusammen für Katalonien), EH Bidu, PNV (Baskische Nationalisten Partei), BNG (Galizischer Nationalistischer Block) und CCa (Kanarische Koalition)].

Als Erstes kümmern wir uns um die im Nahen Osten befindlichen Spanier, um ihnen zu helfen, in unser Land zurückzukehren, sofern sie dies wünschen. Der Auswärtige Dienst und die Armee arbeiten Tag und Nacht daran, Evakuierungsmaßnahmen zu organisieren. Es ist offensichtlich, dass diese Operationen sehr heikel sind, zumal der Luftraum in der Region als nicht sicher gilt und das Flughafennetz durch die Angriffe stark beeinträchtigt wird. Aber unsere Landsleute können davon ausgehen, dass wir sie schützen und nach Hause holen werden.

Zweitens prüft die spanische Regierung Szenarien und mögliche Maßnahmen, um Haushalten, Arbeitnehmern, Unternehmen und Selbstständigen zu helfen und damit die wirtschaftlichen Auswirkungen dieses Konflikts zu mildern, falls dies notwendig sein sollte. Dank der Dynamik unserer Wirtschaft und dank der verantwortungsvollen Fiskalpolitik der Regierung verfügt Spanien derzeit über die notwendigen Ressourcen, um auch diese Krise zu bewältigen. Wir haben die Fähigkeit und auch den politischen Willen dazu und werden dies gemeinsam mit den Sozialpartnern tun, wie wir es während der Pandemie, der Energiekrise oder kürzlich während der Zollkrise schon getan hatten.

Drittens werden wir, wie wir es immer hielten, mit allen Ländern der Region zusammenarbeiten, die sich für Frieden und den Erhalt des Völkerrechts einsetzen. Diese sind zwei Seiten derselben Medaille, die wir mit den erforderlichen diplomatischen und auch materiellen Mitteln unterstützen werden. Wir werden mit unseren europäischen Verbündeten an einer koordinierten und definitiv wirksamen Reaktion arbeiten. Weiterhin werden wir uns für einen gerechten und dauerhaften Frieden in der Ukraine sowie Palästina einsetzen – mit zwei Konflikten, die es verdienen, nicht vergessen zu werden.

Schließlich wird die Regierung weiter ein Ende der Feindseligkeiten und eine diplomatische Lösung dieses Krieges [gegen den Iran] fordern. Ich möchte dies auch ausdrücklich sagen, denn das richtige Wort ist „fordern”, denn Spanien ist Vollmitglied der Europäischen Union, von NATO und der internationalen Gemeinschaft. Diese Krise betrifft auch uns Europäer und damit auch die Spanier. Deshalb müssen wir von den USA, dem Iran und Israel eine Resolution verlangen, damit sie aufhören, bevor es zu spät wäre!

Ich habe es schon oft gesagt und möchte es hier wiederholen: Man kann auf eine Gesetzwidrigkeit nicht mit einer anderen Gesetzwidrigkeit reagieren:

Denn so haben die großen Katastrophen der Menschheit oft begonnen!

Erinnern wir uns daran, wie zu Beginn des Ersten Weltkriegs im 20. Jahrhundert, im August 1914, jemand den damaligen deutschen Außenminister fragte, wie der Erste Weltkrieg begonnen habe, doch er mit einem Achselzucken antwortete und wörtlich sagte: „Ich wünschte, ich wüsste es – ich wünschte, ich wüsste es!“

Sehr oft brechen große Kriege in Folge von Kettenreaktionen aus, die aufgrund von Fehleinschätzungen, technischen Gebrechen bzw. unvorhergesehenen Ereignissen außer Kontrolle geraten. Deshalb müssen wir aus der Geschichte lernen und …

… dürfen nicht mit dem Schicksal von Millionen von Menschen Russisches Roulette spielen lassen!

Die an diesem Konflikt beteiligten Mächte müssen die Feindseligkeiten unverzüglich einstellen und auf Dialog und Diplomatie setzen. Wir anderen müssen konsequent handeln und weiter dieselben Werte verteidigen, die wir auch einfordern, wenn wir über die Ukraine, Gaza, Venezuela oder Grönland sprechen. Denn die Frage ist nicht, ob wir für oder gegen die Ayatollahs sind. Niemand ist dafür. Gewiss nicht das spanische Volk und natürlich auch nicht die spanische Regierung. Die Frage ist hingegen, ob wir auf der Seite der internationalen Legalität und damit auf der des Friedens stehen oder nicht.

Die spanische Bevölkerung hat die Diktatur von Saddam Hussein im Irak stets abgelehnt. Trotzdem hat sie den Irakkrieg nicht unterstützt, weil dieser Krieg illegal [völkerrechtswidrig] und ungerecht war und weil er für fast keines der Probleme, die er zu lösen vorgab, eine echte Lösung bot. Ebenso lehnen wir das Regime im Iran ab, das seine Bürger, insbesondere Frauen, unterdrückt und auf abscheuliche Weise tötet, aber zugleich lehnen wir diesen Konflikt ab und fordern eine diplomatische und politische Lösung.

Einige werden uns Naivität vorwerfen, doch es ist naiv anzunehmen, dass Gewalt eine Lösung darstellen kann. Naiv wäre es zu glauben, dass Demokratien oder Respekt zwischen Nationen aus Trümmern entstünden oder dass blinde und servile Gefolgschaft eine Form der Führung darstelle.

Im Gegenteil, ich glaube, dass besagte Position keineswegs naiv, sondern kohärent ist. Deshalb werden wir uns nicht zu Komplizen von etwas machen, das schlecht für die Welt wäre und auch unseren Werten und Interessen zuwiderliefe, entsprungen nur aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen seitens einiger weniger. Denn, wir haben absolutes Vertrauen in die wirtschaftliche, institutionelle und ich möchte auch sagen, in die moralische Stärke unseres Landes:

In Zeiten wie diesen sind wir natürlich stolzer denn je, Spanier zu sein!

Wir sind uns der Schwierigkeiten bewusst, aber wir wissen auch, dass die Zukunft nicht vorbestimmt ist, dass die Spirale der Gewalt, welche viele bereits als gegeben betrachten, absolut vermeidbar ist und dass die Menschheit diesen Integralismus [Anmerkung der Redaktion: Unterordnung der Politik unter dogmatische Prinzipien, in diesem Fall „atlantischen Neo-Imperialismus“] und auch das Elend des Krieges noch hinter sich lassen kann.

Manche werden sagen, dass wir mit dieser Hoffnung alleinstehen, aber auch das ist nicht wahr. Die spanische Regierung steht zu denen, zu denen sie stehen muss, sie steht zu den Werten, die unsere Eltern und Großeltern in unsere Verfassung verankern ließen. Spanien steht zu den Gründungsprinzipien der Europäischen Union, es steht zur Charta der Vereinten Nationen, es steht zum Völkerrecht und damit zum Frieden und zum friedlichen Zusammenleben der Länder.

Wir stehen außerdem an der Seite vieler anderer Regierungen, die so denken wie wir!

Wir stehen auch an der Seite von Millionen von Bürgern und Bürgerinnen in ganz Europa, Nordamerika und dem Nahen Osten, die nicht mehr Krieg oder mehr Unsicherheit in Zukunft fordern, sondern mehr Frieden und mehr Wohlstand, denn Ersteres kommt nur wenigen zugute, während Letzteres uns allen zugutekommt –

vielen Dank!

Übersetzung: UNSER-MITTELEUROPA

Pedro Sánchez Pérez-Castejón (* 29. Februar 1972 in Madrid) war vormals als Hochschullehrer für Wirtschaftswissenschaften tätig und ist heute Vorsitzender der Sozialistischen Internationale. Seit Juni 2018 ist Pedro Sánchez spanischer Ministerpräsident und auch Generalsekretär und Parteivorsitzender der Partei, Partido Socialista Obrero Español (PSOE).

***

Die Rede des spanischen Ministerpräsidenten, Pedro Sánchez, als Video auf Spanisch: HIER 




Bitte unterstützen Sie unseren Kampf für Freiheit und Bürgerrechte. Und auch gegen die Klima-Hysterie, die letztlich der Nährboden für Programme ist, die uns das Geld aus der Tasche ziehen sollen, wie wir bereits jetzt schon erfahren dürfen. Stichwort: Energiewende. Und das ist erst der Anfang! Die Umverteilung von unten nach oben hat gerade erst begonnen.

Für jede Spende (PayPal oder Banküberweisung) ab € 10.- erhalten Sie als Dankeschön auf Wunsch ein Dutzend Aufkleber „KLIMA-HYSTERIE? NEIN DANKE“ portofrei und gratis! Details hier.



UNSER MITTELEUROPA erscheint ohne lästige und automatisierte Werbung innerhalb der Artikel, die teilweise das Lesen erschwert. Falls Sie das zu schätzen wissen, sind wir für eine Unterstützung unseres Projektes dankbar. Details zu Spenden (PayPal oder Banküberweisung) hier.



.

The post Spaniens Staatschef Pedro Sánchez zeigt, dass es im Westen noch anständige Politiker gibt appeared first on UNSER MITTELEUROPA .

Abbildung des Banners Denkanstoß statt Denkverbot
Nach oben scrollen