Es hat neuerdings den Anschein, dass die USA sich den „afrikanischen Revolutionären“, vor allem im Westafrikanischen Raum, beugen.
Die Trump-Regierung legt eine drastische Politikänderung gegenüber der neu gegründeten Allianz der Sahelstaaten an den Tag.
Keine Illusionen über neue geopolitische Realität
Bereits am 2. Februar hatte die BBC einen außergewöhnlichen Bericht darüber gebracht, dass die Trump-Regierung „eine drastische Politikänderung“ gegenüber Burkina Faso, Mali und Niger angekündigt hatte, wie auch kitklarenberg berichtet hatte.
Diese Regierungen hatten bislang erfolgreich versucht, alle Verbindungen zu westlichen Imperial-Mächten zu kappen, und in Folge die Allianz der Sahelstaaten (AES) gegründet. Der nunmehr unabhängige Block ist ein revolutionäres Unterfangen, und es besteht die Aussicht, dass weitere Länder dem Beispiel seiner Mitglieder folgen werden. Washington macht sich offenbar keine Illusionen über die neuen geopolitischen Realitäten, die „auf dem afrikanischen Horizont heraufziehen“.
Der britische Staatssender hatte berichtet, dass Nick Checker, Leiter der Abteilung für afrikanische Angelegenheiten im US-Außenministerium, Mali besuchen werde, um den „Respekt“ der USA für die „Souveränität“ des Landes zu bekunden und einen „neuen Kurs“ in den Beziehungen einzuschlagen, der „politische Fehltritte der Vergangenheit“ hinter sich lässt. Checker werde auch seinen Optimismus hinsichtlich der zukünftigen Zusammenarbeit mit der AES „in Bezug auf gemeinsame Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen“ zum Ausdruck bringen. Dies ist eine absolut beispiellose Entwicklung. Nachdem Militärputsche die gewählten Präsidenten aller drei Länder zwischen 2020 und 2023 gestürzt hatten, wurden die drei Länder zu Paria-Staaten des Westens.
Hintergründe der AES-Gründung
Frankreich und die USA hatte zunächst geplant die Militärregierungen zu isolieren und untergraben und hatte „Kooperationsprojekte“ in zahlreichen Bereichen eingestellt. Unterdessen hatte die Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten, eine neokoloniale Union, der alle drei Länder angehörten, zunächst strenge Sanktionen gegen Burkina Faso, Mali und Niger verhängt, bevor ihre vereinten Streitkräfte sich darauf vorbereitet hatten, im Sommer 2023 in Niger einzumarschieren. Die drei Länder gaben jedoch nicht nach, sondern begrüßten die Isolation durch den Westen, schmiedeten neue internationale Partnerschaften und stärkten ihre gegenseitigen Beziehungen. Die Militäraktion der ECOWAS kam somit nie zustande.
Im Januar 2025 waren die drei Länder schließlich aus der Union ausgetreten und hatten die AES gegründet. Die von westlichen Ländern finanzierte, in London ansässige Organisation Amani Africa hatte diesen Schritt als „die bedeutendste Krise in der regionalen Integration Westafrikas seit der Gründung der ECOWAS im Jahr 1975” bezeichnet und behauptete, er sei „ein schwerer Schlag für die afrikanische … Kooperationsarchitektur”. Unterdessen ist der burkinische Staatschef Ibrahim Traoré zu einer Hassfigur vor allem der West- Medien mutiert. Ein abfälliger Artikel der Financial Times vom Mai 2025 verurteilte ihn als zynischen Opportunisten, der eine „von Russland unterstützte Junta“ anführt, und seine Anhänger als „Sekte“.
Traore bei jungen Afrikanern extrem populär
Wie die BBC unbeabsichtigt erklärte, rührt diese Abneigung gegen Traoré daher, dass er sich „als Vorkämpfer im Widerstand gegen ‚Imperialismus‘ und ‚Neokolonialismus‘“ etabliert hat. Durch „intensive Werbung in den sozialen Medien hat er seit seinem Amtsantritt im September 2022 große Unterstützung für diese Haltung und persönliche Popularität unter jungen Menschen auf dem gesamten Kontinent und darüber hinaus gewonnen“. Traoré und seine Mitstreiter in der „Junta“ der AES haben nicht nur große Reden geschwungen, sondern auch systematisch den schädlichen Einfluss des Westens vor Ort neutralisiert und gleichzeitig eine Wirtschaftspolitik zum Wohle ihrer Bevölkerung verfolgt.
Frankreich und die USA haben sich hierbei als völlig machtlos erwiesen, diesen bahnbrechenden Fortschritt zu behindern, geschweige denn umzukehren. Während Beamte in Paris und Washington bisher unerbittlich auf die AES-Mitglieder wegen „Demokratie und Menschenrechten“ eingehämmert hatten, berichtete die BBC, dass solche Bedenken bei den aktuellen Besuchen von Beamten des Außenministeriums in Mali „völlig von der Tagesordnung verschwunden“ sein werden. Das Imperium erkennt also, dass es nicht mehr in der Lage ist, die Zusammensetzung oder die Politik regionaler Regierungen zu diktieren, und muss sich mit den Regierungen zu deren Bedingungen auseinandersetzen.
„Imperialistische Medienkanäle“ im AES gesperrt
Obwohl sie nur gelegentlich das Interesse der Mainstream-Medien wecken, sind die Bemühungen von Burkina Faso, Mali und Niger, ihre Länder vom westlichen Imperialismus zu befreien, in ihrem Umfang und ihrer Wirksamkeit bemerkenswert. Französische und US-amerikanische Medienprogramme und -kanäle wurden in der gesamten AES gesperrt. Im August 2022 wurden die Truppen aus Paris nach neunjähriger Besatzung aus Mali regelrecht vertrieben. Zwei Jahre später übernahmen russische Soldaten auf Einladung der Regierung einen Luftwaffenstützpunkt in Niger, auf dem zuvor amerikanische Truppen stationiert waren, nachdem die Behörden Washington zum Rückzug aus dem Land aufgefordert hatten.
Diese Entlassungen hatten Auswirkungen auf die gesamte Region. So beendete beispielsweise auch der Tschad im November 2024 abrupt die langjährige militärische Präsenz Frankreichs im Land. Etwa zur gleichen Zeit forderte dann Senegal die Franzosen auf, ihre Basis in Dakar zu schließen. Die letzten Truppen verließen das Land im Juli 2025, sodass Paris nun über keine permanenten Militäreinrichtungen mehr in Zentral- oder Westafrika verfügt. Unterdessen sind die AES-Mitglieder mit „Hochdruck“ darum bemüht, Großbritannien, Frankreich und die USA aus allen wichtigen Wirtschaftsbereichen zu verdrängen.
Gerade als der Tschad und Senegal den französischen Streitkräften Lebewohl sagten, übernahm Niger die Kontrolle über das lokale Bergbauunternehmen Somaïr, das zum staatlichen französischen Atomkonzern Orano gehört. Somaïr lieferte ein Viertel des Urans für europäische Kernkraftwerke. Infolgedessen stiegen die Uranimporte der EU aus Russland um über 70 %, trotz der angeblich rigorosen Sanktionen, die wegen des „Stellvertreterkrieges“ in der Ukraine verhängt worden waren. Eine weitere bittere Ironie ist, dass Moskau sich gleichzeitig als immer engerer wirtschaftlicher und militärischer Verbündeter der AES-Mitgliedstaaten bereits etabliert hat.
Diese aufkeimende Beziehung hat eine mehr als vorhersehbare Welle der Verurteilung und Panikmache seitens westlicher Journalisten, Politiker und Experten ausgelöst. Eine im März 2024 von der deutschen Friedrich-Ebert-Stiftung veröffentlichte Umfrage ergab jedoch, dass 98 % der Malier die Beziehungen ihres Landes zu Russland befürworten würden, wobei 83 % „sehr zufrieden” und 15 % „eher zufrieden” sind. Generell zeigte dieselbe Umfrage, dass die Regierung Malis eine überwältigende Unterstützung in der Bevölkerung genießt, von der westliche Regierungen nur träumen können.
Insgesamt waren 81 % der Befragten der Meinung, dass sich das Leben in Mali seit dem Amtsantritt der Militärregierung verbessert habe. Erstaunliche 99 % äußerten sich zufrieden mit der Arbeit der Sicherheitskräfte, 95 % waren optimistisch hinsichtlich der Zukunftsaussichten des Landes und 87 % lehnten Forderungen nach Neuwahlen ab. Ähnliche Ergebnisse ergab eine Umfrage unter der Bevölkerung Burkina Fasos im August desselben Jahres. Erstaunlicherweise gaben 66 % der Bürger an, dass Militärputsche völlig legitim und notwendig seien, wenn „gewählte Politiker ihre Macht für ihre eigenen Interessen missbrauchen”.
Zeit der gefügigen „Kolonial-Marionetten“ vorbei
Wie der senegalesische Wissenschaftler Ndongo Samba Sylla in einer faszinierenden Abhandlung detailliert darlegt, haben Frankreich und seine engsten Verbündeten seit der vermeintlichen Unabhängigkeit Afrikas in den 1960er Jahren gemeinsam daran gearbeitet, sicherzustellen, dass die einzelnen Länder von gefügigen Marionetten regiert werden. Dabei hat der Westen „keine Skrupel gezeigt, abscheuliche zivile oder militärische Regime zu unterstützen“, die seinen Interessen entgegenkamen. Dies führt zu „Demokratien ohne Wahlmöglichkeiten“ in ganz Afrika, mit „despotischen Regierungen“, die „durch gefälschte Wahlen“ an die Macht kommen und „keinerlei Wohlstand für ihr Volk schaffen“.
Sylla nennt als Beispiel den Tschad, wo Frankreich den korrupten, brutalen Diktator Idriss Deby Itno von 1990 bis 2021 im Amt hielt. Nach seinem Tod unterstützte Emmanuel Macron diplomatisch die „verfassungswidrige Nachfolge“ seines Sohnes. Die unverhohlene Befürwortung des französischen Präsidenten für eine illiberale, nepotistische Machtübernahme in der ehemaligen Kolonie steht im Gegensatz zu seiner wütenden Verurteilung der Militärputsche in Burkina Faso, Mali und Niger, seiner Forderung nach Wahlen und seinem Aufruf zu „finanziellen Sanktionen seitens der afrikanischen Länder, des Westens und seiner Finanzinstitutionen“.
Frankreich könnte auf Grund seiner Kontrolle über die Zentralbank der westafrikanischen Staaten, also den Finanzarm der ECOWAS, direkt Sanktionen gegen das „Trio“ verhängen. Die Mitgliedschaft bindet die Staaten an den CFA-Franc, eine nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffene Währung, die es Paris ermöglichte, grob ungerechte Handelsbeziehungen zu seinen afrikanischen Kolonien aufrechtzuerhalten, als seine Wirtschaft verwüstet war und sich sein Überseeimperium rasch auflöste. Der CFA-Franc macht es für die Mitglieder billig, aus Frankreich zu importieren und umgekehrt, aber unerschwinglich teuer, in andere Länder zu exportieren.
Diese erzwungene Abhängigkeit schafft einen geschlossenen Markt für die Franzosen und damit auch für Europa, was die lokale Entwicklung entscheidend hemmt. Die Mitgliedstaaten sind machtlos, sinnvolle politische Veränderungen durchzuführen, da sie keine Kontrolle über ihre eigene Wirtschaft haben und gezwungen sind, Anweisungen des IWF, der Weltbank und westlicher Investoren zu befolgen. Wie Sylla erklärt, „egal, wen man wählt, sie müssen sich an den grundlegenden wirtschaftspolitischen Plan halten.“ Die Schaffung einer Ersatzwährung ist die nächste große Herausforderung für die AES – obwohl ihre Mitglieder bereits mit dem Aufbau einer Zentralbank begonnen haben.
AES als „Horror-Szenario“ Frankreichs
Das Fortbestehen und die Erfolge der AES sind für Paris ein Gräuel. Seit der „Entkolonialisierung“ Afrikas bis heute haben die Franzosen 50 offene Interventionen in Afrika durchgeführt, wobei Attentate auf antiimperialistische Führer, Palastputsche, manipulierte Wahlen und andere Machenschaften, mit denen Frankreich seinen giftigen, ausbeuterischen Einfluss auf seine ehemaligen Besitzungen aufrechterhalten wollte, noch nicht einmal mitgerechnet sind. Die Illusion, den Kontinent weiterhin unter ihrer Knute zu halten, ist trotz des dramatischen Zusammenbruchs ihres lokalen Einflusses noch nicht gänzlich verblasst.
Im April 2024 erklärte dazu General Francois Lecointre, ehemaliger Stabschef der französischen Armee, „was wir Europäer gemeinsam haben, ist das Mittelmeer und Afrika, wo unser Schicksal auf dem Spiel steht… Europa wird verpflichtet sein, nach Afrika zurückzukehren, um bei der Wiederherstellung des Staates und der Rückkehr von Verwaltung und Entwicklung zu helfen. Es sind nicht China, Russland oder die Wagner-Gruppe, die dauerhafte Lösungen für die sehr großen Schwierigkeiten bieten werden, mit denen diese afrikanischen Länder und ihre Bevölkerung konfrontiert sind.“
Die Einwohner der AES sind offensichtlich ganz klar anderer Meinung und bereit, ihre Führer gegen ausländische Destabilisierungsversuche zu verteidigen. US-Beamte sind sich der neuen Machtverhältnisse in der Region mittlerweile durchaus bewusst. In einem Interview mit Le Monde im Oktober 2025 wies Massad Boulos, ein Vertrauter Trumps und hochrangiger Berater des US- Außenministeriums für Afrika, jede Andeutung zurück, Washington würde die Militärregierungen der Sahelzone kritisieren, da „Demokratie zwar immer geschätzt wird, die Menschen aber frei sind, das für sie geeignete System zu wählen“. Der antiimperialistische Kampf in Afrika geht unvermindert weiter. Vorerst haben die Revolutionäre die Oberhand und die Europäer, mit Frankreich offenbar wieder einmal den „einfahrenden Zug“ übersehen.
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