„Refugees welcome“ war eine gute Idee? Was wir den Menschen, die noch immer nicht verstanden haben, sagen müssen:
Du bist einer von denen, die 2015 gedacht haben, „Refugees welcome“ wäre eine gute Idee. Offene Grenzen. Vielfalt als höchstes Gut. Wer zweifelt, ist gestern.
Seitdem liegen in deutschen Städten Leichen, die es ohne deine Haltung nie gegeben hätte.
Mädchen, die nachts nicht mehr nach Hause kommen.
Jungen, die auf Bahnsteigen verbluten.
Frauen, die in Gruppen zerstört werden, während die Täter filmen und lachen.
Familien, die nie wieder ganz werden.
Das sind längst keine Einzelfälle mehr. Das ist der neue Alltag, den du mit herbei gewünscht hast.
Du hast nicht nur zugeschaut.
Du hast mitgemacht. Mit deinen Kommentaren und Beiträgen in den sozialen Medien. Mit deinem Schweigen, wenn die Warnungen kamen. Mit deinem moralischen Hochgefühl, während andere schon die Konsequenzen trugen.
Und jetzt die einzige Frage, die zwischen uns steht:
Wie hältst du das eigentlich aus? Wie schaffst du es, morgens in den Spiegel zu schauen, ohne dass dir übel wird?
Weil jedes dieser zerstörten Leben – jede Vergewaltigung, jeder Mord, jedes Kind, das nie erwachsen wird – auch deinen Schatten trägt.
Du könntest jetzt sagen: „Aber die meisten sind friedlich.“
Klar. Die meisten. Nur die, die nicht friedlich sind, hinterlassen Leichen. Und genau die hast du mit reingelassen.
Oder: „Man darf nicht pauschalisieren.“
Sag das der Mutter, die ihren Sohn in einem Kühlhaus identifizieren musste.
Sag das dem Vater, der das letzte Selfie seiner Tochter nie wieder öffnen kann, ohne zu zerbrechen.
Ich habe diese Menschen getroffen.
Ich kenne den Blick, der nicht mehr loslässt.
Den Geruch von Verlust, der sich in die Kleidung frisst.
Die Stille, die lauter ist als jeder Schrei.
Wenn ich auch nur einen Bruchteil dieses Leids mitverursacht hätte – durch Worte, durch Feigheit, durch Gesinnung –, ich könnte nicht mehr atmen, ohne mich zu hassen.
Du aber atmest weiter.
Du postest weiter.
Du fühlst dich weiter auf der richtigen Seite.
Deshalb sag es mir, ganz ruhig, ohne Ausflucht:
Welche Lüge flüsterst du dir selbst zu, damit du nachts die Augen zu machen kannst, während irgendwo in Deutschland wieder eine Familie erfährt, dass sie nie wieder ganz sein wird – und du weißt, dass du mit dafür gesorgt hast?
Ich warte.
Quelle: Oliver Flesch/facebook

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