Im Jahr 1973 ließen sich acht kerngesunde Menschen freiwillig in psychiatrische Kliniken in den USA einweisen. Keiner von ihnen war wirklich krank – doch niemand bemerkte es.

Das Rosenhan-Experiment war eine Untersuchung zur Zuverlässigkeit von psychiatrischen Diagnosen, die zwischen 1968 und 1972 von David Rosenhan, Professor für Psychologie an der Stanford University, durchgeführt wurde und zu Reformen in der US-amerikanischen Psychiatrie und Diagnosestellung führte.

Die Ergebnisse wurden 1973 unter dem Titel „On Being Sane in Insane Places“ im Science-Magazin veröffentlicht (Titel der deutschen Übersetzung: Gesund in kranker Umgebung) und erregten weit über die Fachwelt hinaus Aufsehen.

Der Psychologe David Rosenhan wollte herausfinden, ob Fachleute zuverlässig zwischen psychischer Gesundheit und Krankheit unterscheiden können.

Die Teilnehmer logen nur einmal: Sie behaupteten, Stimmen gehört zu haben – drei Worte: „Leer“, „Hohl“, „Plumps“. Das reichte aus: Alle acht wurden aufgenommen.

Sobald sie im Krankenhaus waren, verhielten sie sich völlig normal und baten um Entlassung. Doch jede normale Handlung wurde als Symptom interpretiert: Notizen galten als Zwang, Höflichkeit als krankhafte Kontrolle.

Sieben erhielten die Diagnose Schizophrenie, einer manische Depression. Kein Mitarbeiter erkannte ihre Gesundheit – aber viele Patienten schon.

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrug 19 Tage, einer blieb 52 Tage

Als Rosenhan seine Studie veröffentlichte, war die Empörung groß. Ein Krankenhaus behauptete später, es könne Scheinpatienten erkennen und identifizierte 41 angebliche Betrüger – obwohl Rosenhan niemanden geschickt hatte.

Das Experiment zeigte: Diagnosen werden oft durch Erwartungen und Kontext geprägt. Einmal etikettiert, verliert Realität an Bedeutung.

Die tiefere Lehre bleibt beunruhigend: Wahrnehmung kann die Realität stärker verzerren als der Wahnsinn selbst.

Via HDK Telegram




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