Jeffrey Sachs, Autor, Ökonom und Professor an der Columbia Universität zeigt am Beispiel der Iran-Krise, dass die Massenmedien des Westens ihrer Aufgabe als vierte Säule zur Kontrolle des Staates nicht gerecht werden – das heißt de facto versagen und so zum Staatsverfall im Westen beitragen.
Judge Napolitano und Jeffrey Sachs diskutieren die Rolle
der USA gegen den Iran und die steigende Kriegsgefahr

[…]
Napolitano: … Ich möchte nun zu einem Ihrer anderen Fachgebiete übergehen, nämlich der Wirtschaft. Bevor ich Ihnen die Frage stelle, werde ich etwas einspielen: US-Finanzminister [Scott] Bessent prahlt schamlos über das wirtschaftliche Chaos im Iran, doch welches er verursachen ließ – sehen Sie sich das an:

Maria Bartiromo: Was möchten Sie zu den Sanktionen [gegen den Iran] sagen? Woran arbeiten Sie bzw. was planen Sie diesbezüglich gegen den Iran und welche Auswirkungen [wären zu erwarten]? Funktionieren die Sanktionen überhaupt und auch die 500% Sekundär-Sanktionen bzw. Tarife gegen Länder, welche Energieprodukte aus Russland kaufen?

Scott Bessent: Okay, also zwei Dinge: Es gibt Sanktionen des Finanzministeriums! In meiner Rede, die ich im März letzten Jahres im Economic Club of New York gehalten habe, ging ich davon aus, dass die iranische Währung kurz vor dem Zusammenbruch stehe. Im Fall, dass ich iranischer Staatsbürger wäre, würde ich mein Geld abheben. Präsident Trump hat das Finanzministerium und unsere Abteilung, das Office of Foreign Asset Control [OFAC] angewiesen, maximalen Druck auf den Iran auszuüben, was funktioniert hat. Denn im Dezember ist Irans Wirtschaft zusammengebrochen. Wir haben gesehen, wie eine große Bank unterging. Ihre Zentralbank begann, Geld zu drucken. Es gibt einen Dollar-Mangel. Sie sind nicht in der Lage, Importe zu tätigen. Deshalb sind die Menschen auf die Straße gegangen:
Das ist ökonomische Staatskunst!
Es wurden keine Schüsse abgefeuert und die Dinge entwickeln sich da sehr positiv.
Judge Napolitano: Diesen Kommentar [Bessents] in Davos gegenüber meiner Bekannten und vormaligen Kollegin, Maria Bartiromo gab es einen Tag nachdem Sie selbst einen Artikel veröffentlicht hatten und darüber enthüllten, was das amerikanische Finanzministerium mit der Wirtschaft in Venezuela wie auch im Iran anrichtete. Hier [in Davos] gibt Bessent unmissverständlich und wie Sie sagen, schamlos zu, welches Elend er verursacht habe!
Jeffrey Sachs: Das ist wirklich wichtig! Es ist sehr wichtig, dass die Menschen verstehen, was sie gerade erfahren haben. Ich möchte wirklich an die Reporter der New York Times, die jeden Tag falsch bzw. unehrlich berichten, sowie an die Reporter der Washington Post, des Wall Street Journals und an die von MSNBC und andere, die darüber berichten, appellieren, sich das anzusehen, was Herr Bessent von sich gab:
Die Vereinigten Staaten haben mit wirtschaftlichen Mitteln Chaos im Iran verursacht!
Er hat das klar erklärt. Er begann seine Rede mit den Worten: „Ich glaube, die iranische Währung wird fallen!“ Das war der erste Schritt, um die Menschen dazu zu bringen, aus der Währung zu fliehen und einen sich selbst erfüllenden Zusammenbruch oder eine Panik auszulösen. Dann erklärt er noch, wie sein Finanzministerium bzw. deren Behörde OFAC, welche diese Sanktionen erzwingt und Tarife über Institutionen auf der ganzen Welt verhängt, um jegliche Geschäfte mit dem Iran zu unterbinden. Absolut normale legale Geschäfte. Die Idee dahinter ist, dass der Iran seine Produkte nicht exportieren und keinen internationalen Handel mehr betreiben kann. Das ist Kriegsführung. [Finanz-]Minister Bessent sagte, dass dies brillant funktioniert hätte und bis Jahresende die Banken und Währung zusammengebrochen seien und deshalb die Menschen auf die Straße gegangen wären:
Keines unserer Mainstream-Medien hat das richtig berichtet!
Sie alle berichteten nur über die offizielle US-Regierungspropaganda, wonach die Menschen auf die Straße gegangen wären, um gegen die Misswirtschaft des iranischen Regimes zu protestieren. So einfach läuft dieses Spiel. Natürlich ist es ein Spiel, bei dem man etwas wissen sollte, doch unsere Journalisten sind generell entweder unwissend, weil sie unaufmerksam sind bzw. nicht recherchieren oder sie werden von ihren Chefredakteuren kuratiert, die mit der CIA, dem Finanzministerium und dem Weißen Haus unter einer Decke stecken, um so an ihre Geschichten und Quellen heranzukommen.
Was in den letzten Wochen im Iran ablief, basiert auf der grundlegenden Tatsache, dass die Vereinigten Staaten einen Wirtschaftskrieg anfingen, um die iranische Wirtschaft zu zerstören und das auch weiterhin tun werden. Herr Bessent sagte dazu: „Es geht alles in eine positive Richtung!“ Mit süffisantem Grinsen verkündete er, wonach „das Ziel ein Regimewechsel“ sei!
Doch, das Ziel der New York Times war, pflichtbewusst zu berichten, dass sich das Volk gegen seine vermeintlich schreckliche Regierung erhoben hätte, ohne ein Wort über die ökonomische Kriegsführung der Vereinigten Staaten zu verlieren. Letztere ist absolut rechtswidrig und katastrophal: Sie zerstört Leben, Lebensgrundlagen, Gesundheit und führt zu einem Massensterben:
Man kennt diese US-Sanktionen, auf solche Weise über viele Länder verhängt, um diese zu zerstören!
Venezuela ist nur ein weiterer Fall in diese Richtung. Das Interessante an dem Interview mit Bessent war, dass er alles so klar und überdeutlich zugegeben hat. Ich habe so etwas in dieser Form noch nie erlebt. Natürlich war es mir bewusst: Deshalb habe ich am Tag zuvor darüber auch einen Artikel verfasst. Aber seine süffisanten Worte, wonach aufgrund besagter Massenunruhen und diesem Chaos alles „in die richtige Richtung“ ginge, sollten dem amerikanischen Volk und Kongress zu denken geben. Sicher gibt es noch einige Kongressabgeordnete und Senatoren, denen unser Land am Herzen liegt und die klarstellen sollten, um was es sich hierbei drehe.
Das passiert nicht nur im Iran: Die USA führen einen außer Kontrolle geratenen Wirtschaftskrieg, völlig unverantwortlich; oft manipuliert von reichen Wahlkampfspendern oder Trumps eigener Familie. Man führt Märkte an, kauft Anlagen oder lässt sie wieder abstoßen. Es sind Spiele und Bessent hat das mit einem Grinsen zugegeben. Es ist absolut schockierend, was da abläuft. Aber noch einmal:
In unserem Land sind die Mainstream-Medien genauso erbärmlich und tot, wie der US-Kongress!
Ich habe mein Bestes versucht und habe den Journalisten der New York Times geschrieben. Natürlich habe ich von ihnen keine Antwort bekommen. Diejenigen, die über den Iran berichten, brachten es nicht über sich, direkt zu berichten, was Bessent [offen] preisgab, doch spielen einfach mit!
Judge Napolitano: Hat Scott Bessent das schon einmal in seinem Berufsleben davor, bevor er – entschuldigen Sie – Finanzminister wurde, getan?
Jeffrey Sachs: Deshalb wurde er dorthin [zum Finanzminister] berufen: Er ist kein Experte für Finanzpolitik oder das Wohlergehen des amerikanischen Volkes. Davon versteht er nichts. Er versteht nichts von Budget – und von makroökonomischer Politik. Aber für die Zeit, als Bessent für George Soros arbeitete und er ein wichtiger Teil des Teams in London war, das 1992 das britische Pfund mit Leerverkäufen zu Fall brachte, konnte er eine Erfolgsbilanz vorweisen.
Über die nächsten 20 Jahre arbeitete er größtenteils für Soros. Er ist ein Hedgefonds-Manager, der versteht, wie man finanziell die Hebel in Bewegung setzt und ausquetscht. Er ist nicht gerade das, was man als ökonomische Staats-Politik erachten wollte, außer in dem Sinne, was er als „Staatskunst“ bezeichnete. Ich habe diesen Begriff noch nie in diesem Zusammenhang gehört: Er meint damit „Kriegsführung“, aber bezeichnet das als „ökonomische Staatskunst – ohne einen Schuss abgefeuert zu haben!“ – voll des Stolzes über sich!
Napolitano: Was passiert also, wenn ein Land – ich verwende hier Keynes‘ berühmten Ausdruck, den Sie gelegentlich zitieren – die Währung eines anderen Landes entwertet?
Jeffrey Sachs: Keynes, der große britische Politökonom des 20. Jahrhunderts – wahrscheinlich der größte Politökonom des letzten Jahrhunderts – schrieb 1919, dass die Entwertung der Währung – also der Zusammenbruch einer Währung – die bestehende Grundlage der Gesellschaft zerstört. Wenn die Währung zusammenbricht, zerfällt die Ordnung in der Gesellschaft und lässt die Menschen verzweifeln. Er schrieb, dass ein Zusammenbruch der Währung alle Kräfte der Wirtschaft auf die Seite der Zerstörung bringe, aber auf eine Weise, die kein Mensch aus einer Million, verstehen könne. Das veröffentlichte Keynes 1919 in „The Economic Consequences of the Peace”. [Anmerkung der Redaktion: Ein Buch mit vernichtender Kritik am Vertrag von Versailles].
Was im Iran geschieht, ist:
- der vorsätzliche verursachte Zusammenbruch seiner Währung,
- die vorsätzliche Schaffung von Massenarmut, Arbeitslosigkeit und Unruhen!
Ziel ist es, einen Regimewechsel im Iran zu bewirken. Vielleicht ist es wahr, dass nicht einer aus einer Million Journalisten der New York Times oder solchen der Mainstream-Medien dies verstehen. Doch inzwischen hätten sie zumindest Herrn Bessent, zuhören können, um gegebenenfalls darüber nachzudenken mit dem Versuch, ihre Aufgabe besser zu erfassen, um das zu berichten, was wirklich abgeht:
Die Vereinigten Staaten befinden sich im Krieg!
Krieg ist gemäß unserer Verfassung rechtswidrig, sofern er nicht vom US-Kongress erklärt worden wäre. Krieg ist auch gemäß dem Völkerrecht und der UN-Charta, Artikel 2, Abschnitt 4, die seit der Ratifizierung der UN-Charta im Juli 1945 zum Vertragsrecht der Vereinigten Staaten wurde, rechtswidrig. All das sollte Herr Stephen Miller verstehen [Anmerkung der Redaktion: S. Miller ist Stellvertretender Stabschef im Weißen Haus und Berater für Heimatschutz; er zählt zu den Hardlinern der Administration unter Trump]. Vielleicht tut er das auch. Tatsache ist jedoch, dass er versucht, seinen Chef von einer rechtswidrige Operation zu überzeugen, …
… während wir, das amerikanische Volk, eine konstitutionelle Republik wollen, doch keine Ein-Mann-Herrschaft!
Judge Napolitano: Sind diese Sanktionen und diese seltsamen, mal 500% bzw. mal nur 10% hohen Strafzölle ein Grund dafür, dass andere Länder – ich denke da an die BRICS-Staaten – sich vom US-Dollar als Zahlungsmittel abwenden?
Jeffrey Sachs: Natürlich haben die USA das, was einst als ihr exorbitantes Privileg galt, indem sie den US-Dollar bei den anderen Volkswirtschaften als Zahlungsmittel verwenden ließen, grob missbraucht. Solange die anderen Volkswirtschaften dem folgten, bedeutete dies für die USA, leichter an Kredite heranzukommen und der US-Regierung eine hohe Liquidität zu verschaffen.
Doch es stellte sich heraus, dass meiner Meinung nach die US-Regierung auf absolut katastrophale Weise glaubte, ihr Privileg dazu einsetzen zu können, um gegen andere Länder mit ökonomischen Mitteln Krieg führen zu lassen:
Was Bessent als Staatskunst bezeichnete, ist keine Staatskunst, sondern Krieg!
Doch, der Rest der Welt begreift allmählich, dass die Vereinigten Staaten aggressiv, unzuverlässig, nicht vertrauenswürdig und gefährlich sind. Das bedeutet nicht, dass die USA nicht weiterhin ihre Erpressungs- und Drohmittel und ihre Macht einsetzen werden – schließlich unterhalten die Vereinigten Staaten Militärstützpunkte in etwa 80 Ländern weltweit. Ich meine, dass sich fast jedes dieser Länder:
- von den USA zum Teil physisch besetzt fühlt!
- anfällig für Staatsstreiche oder Unruhen fühlt, wie von Bessent beschrieben!
- von den USA bedroht fühlt!
Länder, in denen sich US-Militärstützpunkte befinden, werden dadurch nicht sicherer, sondern unsicherer:
Sie werden zu Vasallenstaaten der Vereinigten Staaten!
Das ist derzeit im gesamten Nahen Osten der Fall. Deshalb buckeln so viele arabische Länder, leider muss ich das sagen, vor den Vereinigten Staaten, weil sie über US-Militärstützpunkte besetzt sind. Aber der Punkt ist, dass der Rest der Welt Schritt für Schritt dazu übergeht zu sagen:
Das wollen wir nicht!
So kommt es, dass sich solche Länder zusammenschließen, um zu signalisieren, dass sie ein normales Leben, doch kein Leben unter Bedrohungen durch Kaiser Donald anstreben. Daher reiste sogar der Premierminister Kanadas, Mark Carney, vor einigen Wochen nach China und schloss eine strategische Partnerschaft mit China für die Bereiche Handel, Technologie und andere ab. Zu Beginn sagte Trump noch: „Nun, das gut für ihn!“ Inzwischen droht er Kanada Strafmaßnahmen, himmelhohe Zölle und dergleichen an. Doch, das wird nicht funktionieren, denn Kanada ist nicht allein. Selbst Großbritannien, das seit dem Zweiten Weltkrieg zum unterwürfigsten Land der Welt gegenüber den Vereinigten Staaten wurde. Es wurde zum unterwürfigsten Land, doch selbst dessen britischer Premierminister Keir Starmer sagte [zuletzt]:
„Ich werde nach China reisen – die Vereinigten Staaten können mich nicht daran hindern, doch werden nicht darüber bestimmen, ob wir normalen Handel mit China treiben dürfen!“
Tatsache ist, dass die überwiegende Mehrheit der Welt keinen Krieg und auch keine Partei ergreifen möchte. Man will keine „ökonomische Staatskunst“ der USA, die in Wahrheit „Wirtschaftskrieg“ bedeutet. Der Rest der Welt will sein Leben weiterführen und tut dies Schritt für Schritt. Gestern oder heute, ich weiß nicht mehr genau wann, hat Trump mit neuen Zöllen gegen Südkorea gedroht, einem vermeintlichen Verbündeten, bei dem sich US-Militärstützpunkte befinden. Doch, die südkoreanische Führung war erst kürzlich in Peking, um normale Beziehungen zu China herzustellen.
Interessanterweise hat der Handel zwischen den Ländern außerhalb der Vereinigten Staaten nicht gelitten, obwohl die USA im letzten Jahr ein Land nach dem anderen [mit Tarifen] straften. Es zeigte sich, dass der Handel untereinander gut funktioniert.
Die Vereinigten Staaten sind nicht groß genug, mächtig genug und entscheidend genug, um die Welt künftig so in ihren Händen zu halten, wie es unserem Kaiser Donald vorschwebt. So hat der Rest der Welt einen Anstieg seines Handels verzeichnen können. Chinas Handel ist im letzten Jahr gestiegen. Das also, passiert gerade:
Die Länder finden andere Wege, um miteinander Geschäfte abzuwickeln, ohne sich von den USA einschüchtern zu lassen!
Trotzdem muss gesagt werden, dass die USA immer noch großen Schaden anrichten können, wie die Fälle von Venezuela und Iran zeigen. In den kommenden Tagen könnte es zu einem militärischen Angriff der USA auf den Iran kommen. Eine Flugzeugträger-Taskforce der USA befindet sich Nahe dem Persischen Golf:
Möglicherweise stehen wir kurz vor einem großen Krieg!
Vielleicht auch nicht und alles war nur ein Bluff – doch die Kriegsgefahr bleibt generell real!
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Übersetzung: UNSER-MITTELEUROPA
Das ganze Video von Judge Napolitano mit Jeffrey Sachs auf Englisch: HIER

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