Im zweiten und letzten Teil des Gesprächs mit Judge Napolitano erläutert Jeffrey Sachs, wie die Selbstzerstörung Europas historisch zu erklären ist: Fatale Selbstüberschätzung, gepaart mit suizidalem „Drang nach Osten“!
Jeffrey Sachs: «Kriegstreiberei ist Teil der Kultur Washingtons
und insbesondere in Deutschland und Brüssel stark verankert!“
[…]
Judge Napolitano: Letztes Wochenende trafen sich Kirill Dmitrijew und ein inoffizieller Nicht-Regierungsvertreter von Präsident Putin in Florida mit Jared Kushner und Steve Witkoff. Die Russen stellten von Anfang die Ziele ihrer Sonder-Militär-Operation [SMO] klar. Sie weichen nicht davon ab und diesbezüglich besteht auch kein Verhandlungsspielraum. Worüber haben die besagten Herren [in Florida] gesprochen? Was könnten sie möglicherweise erreicht haben?
Jeffrey Sachs: Ich denke, das größte Problem bezüglich der Ukraine ist, dass dieser Krieg begann, weil die Vereinigten Staaten und Europa davon ausgingen, die Ukraine in ihren Besitz und Einflussbereich eingliedern zu können:
Natürlich war die Komplizenschaft der USA bei dem Staatsstreich [in Kiew, 2014] notwendig, um die neutrale Regierung zu stürzen!
Dazu mussten Amerika und Europa den Vertrag ignorieren, der 2015 als Minsk-2-Abkommen vereinbart worden war und den Krieg auf Grundlage einer Autonomie für die russischsprachigen Regionen der Ostukraine beigelegt hätte. Obwohl es sich bei Minsk-2 um eine einstimmige Resolution des UN-Sicherheitsrats gehandelt hatte, verkündeten die Vereinigten Staaten, Europa und die Ukraine, dass …
… sie sich nicht daran halten würden!
Wie erwähnt, sagte ich zu Jake Sullivan am Vorabend der russischen Sonder-Militär-Operation [SMO] im Februar 2022: „Jake, Sie können diesen Krieg vermeiden, indem Sie klarstellen, dass die NATO nicht auf die Ukraine ausgedehnt würde!“ Sullivan antwortete: „Nun, NATO wird nicht um die Ukraine erweitert werden, aber wir möchten das nicht verlautbaren lassen!“ Ich entgegnete: „Ihr werdet einen Krieg aufgrund einer Annahme, die nicht eingetreten wäre, zu führen haben!“
Kürzlich gestand eine ex-Mitarbeiterin von Sullivan [Anmerkung der Redaktion: Amanda Sloat, Sen. Director für Europa und Biden’s Ukraine Politik] aus dem US-Nationalen Sicherheitsrat [NSC], sie dachte mit wirklichen ukrainischen Beamten gesprochen zu haben. Letztere waren jedoch tatsächlich nur täuschend echt aussehenden Verstell-Künstler [Anmerkung der Redaktion: Vovan & Lexus] denen sie aufsaß und genau das mitteilte, was ich seit Jahren schon sagte: Der US-Nationale Sicherheitsrat wusste im Dezember 2021, dass sich dieser Krieg und insbesondere seine Eskalation hätte vermeiden lassen können:
Denn der Krieg begann eigentlich schon mit dem von den USA unterstützten Staatsstreich im Februar 2014!
Doch die Eskalation des Krieges ab Februar 2022 hätte man verhindern können, indem man nur klargestellt hätte, dass NATO nicht erweitert werden würde. Jetzt wurde offiziell festgehalten, wovon ich schon zuvor ausgegangen war, wobei eine hochrangige ehemalige US-Offizielle genau diesen Punkt ausdrücklich bestätigte.
Ich erwähne das alles, weil Präsident Trump in diesen laufenden Verhandlungen entweder nicht willens oder nicht in der Lage scheint, sich zu irgendeinem Thema klar zu äußern. Die Verhandlungen finden in Mar-a-Lago oder an einem anderen Ort statt, aber wir verfügen über keinen Präsidenten der Vereinigten Staaten, der klar, ehrlich, wie ein Erwachsener, dem amerikanischen Volk erklären könnte, dass:
- die NATO-Erweiterungen falsch gewesen wären und zu dem Krieg geführt haben!
- die USA von besagter NATO-Erweiterungen hätten Abstand nehmen sollen!
Auf Grundlage, dass die Ukraine neutral werden würde und eine NATO-Erweiterung durch die USA nicht weiter unterstützt würde, könnte der Krieg ein Ende finden!
Ja, es gibt noch andere Themen, aber Klarheit seitens des Präsidenten der Vereinigten Staaten wäre erforderlich. Doch er spricht nicht klar zu uns. Wir empfangen nur True-Social-Nachrichten, die sich stündlich oder täglich widersprechen: Mit vielen Großbuchstaben, vielen Ausrufezeichen, aber mit keiner Erklärung des Präsidenten gemäß Prinzipien. Doch, leider geht die Administration derzeit nicht mit Klarheit und nach Prinzipien vor. So, kommt es zur Kriegstreiberei, …
… die Teil der Kultur Washingtons und insbesondere in Deutschland und Brüssel stark verankert ist!
Der EU-Kommission steht eine ehemalige deutsche Politikerin, Ursula von der Leyen, vor, welche solche Kriegstreiberei fortsetzt. Dazu kommt, dass Großbritannien seit jeher Kriege gegen Russland überaus schätzt:
Auf Großbritannien kann man sich in Bezug auf notorische Kriegstreiberei stets verlassen: Das war im Grunde schon seit 1840 so!
Aufgrund besagten Mangels an klaren Erklärungen und Erläuterungen drehen sich die Verhandlungen im Kreise: Sie gehen hin und her und haben keine Bedeutung.
Der Krieg dauert nun schon Jahre, obwohl er eigentlich mit einem Telefonanruf zu Beginn dieses Jahres hätte beendet werden sollen. Tatsächlich hätte er durch einen Telefonanruf beendet werden können. Aber Präsident Trump ist in diesem Sinne nicht präsidentiell. Ein Präsident müsste Prinzipien formulieren, sie erklären und sich präsidentiell verhalten, um das amerikanische Volk und den Kongress mit ins Boot holen. Er müsste erklären, warum Frieden im Interesse der USA läge, um die Kriegstreiber zu stoppen. Letztere finden sich überall in seiner eigenen Administration, natürlich aber auch im Kongress und bei den Militär-Kontraktoren sowie im Silicon Valley, die mit diesem Krieg und dem Krieg in Gaza viel Geld verdien(t)en. Ich hoffe immer noch darauf [auf die rechten Handlungen des US-Präsidenten], …
… denn falls dies geschähe, würde man Frieden erleben!
Judge Napolitano: Mich beunruhigen die Kriegstreiber aus Europa, von denen Sie gerade einige nannten, immer noch mit ihrer absurden Unterschätzung Russlands und der Entschlossenheit von Präsident Putin, um das legitime Recht der [russischen] Nation bezüglich Souveränität und Sicherheit zu wahren. Warum bedroht Großbritannien Russland, nachdem deren gesamte Streitkräfte in das Yankee-Stadion passten, doch dieses nicht einmal ganz füllen würden?
Jeffrey Sachs: Nun, ich würde es insofern etwas anders ausdrücken, nachdem die westlichen Länder über die letzten 170 Jahre bei jeder strategischen Gelegenheit Frieden mit Russland wiederholt abgelehnt hatten. Sie haben Russland schon seit langem als das Andere bzw. das Reich des Bösen, angesehen. Selbst wenn es offensichtlich, richtig und im Interesse ihrer Sicherheit gelegen wäre, um Frieden mit Russland zu schließen. Der Westen hat dies immer wieder aufs Neue abgelehnt:
Es waren Großbritannien und Frankreich, die 1853 den Krimkrieg Krieg anführten, um Russland aus dem Schwarzen Meer zu verdrängen!
Das Britische Empire versuchte damit nicht nur, Russland eine blutige Niederlage beizubringen, sondern Russland als Gegenüber bzw. Konkurrent des Britischen Empire auf irgendeine Weise zu eliminieren: Das folgte roher Gewalt!
Blicken wir in die 1930-er Jahre zurück, als Hitler an die Macht kam: Damals wandte sich die Sowjetunion an Großbritannien, Frankreich und Polen, um eine gemeinsame Front gegen Hitler zu bilden! Es fällt schwer zu glauben bzw. ist schockierend, erfahren zu müssen, dass Großbritannien, Frankreich und Polen bis zum Schluss ein Bündnis mit der Sowjetunion bzw. Russland ablehnten, nur weil es Russland wäre!
Hitler sah sich also zu Beginn keiner Allianz gegenüber, die den Zweiten Weltkrieg im Vorfeld schon hätte verhindern können!
Das Bündnis kam erst zustande, nachdem Hitler Kontinentaleuropa unter seine Kontrolle gebracht und im Juni 1941 die Sowjetunion angegriffen hatte. Am Ende des Zweiten Weltkriegs lehnte der Westen erneut einen Frieden mit der Sowjetunion ab. Stattdessen remilitarisierten die Westmächte ihren Teil des besetzten Deutschlands, um…
… Deutschland, das gerade erst 27 Millionen Sowjetbürger getötet hatte, in den Mittelpunkt der NATO zu stellen!
Das bedeutete eine Entscheidung zur Teilung Europas nach Militärblöcken. Das war eine Entscheidung des Westens, keine der Sowjetunion. Die Sowjetunion plädierte für Neutralität und eine Entmilitarisierung Deutschlands. Von 1989 bis 1992 und bis 1993 forderte Deutschland die Wiedervereinigung von Ost und West und versprach der Sowjetunion, falls die Wiedervereinigung Deutschlands zugelassen würde, wollte man garantieren, dass NATO keinen Zentimeter nach Osten vorrücken würde. Obwohl das inzwischen von vielen Leuten geleugnet wird:
Es ist die absolute und von Gott gegebene Wahrheit, dass dieses Versprechen wiederholt abgegeben wurde!
Der Punkt dabei ist:
- In Folge haben USA und Deutschland dieses Versprechen umgehend gebrochen und mit den NATO-Osterweiterungen begonnen!
- Der Westen hat Frieden mit der Sowjetunion bzw. Russland seit den 1840-er Jahren – das heißt über 180 Jahre lang immer wieder zurückgewiesen!
- Tiefe Russophobie hat Europa immer wieder unermesslichen Schaden zugefügt, durch:
- rücksichtsloses, zügelloses, ungerechtfertigtes, unrealistisches Misstrauen und Betrügen!
- Verletzung von Vereinbarungen, die der Westen abgeschlossen hatte, sei es die von Potsdam oder jene gegenüber Gorbatschow im Februar 1990 bzw. an anderer Stelle!
- wiederholte Ablehnung bzw. Akzeptanz einer kollektiven Sicherheit mit Russland bzw. zuvor noch mit der Sowjetunion!
Das hat wiederholt zu europäischen Kriegen oder zur wiederholten Verwundbarkeit Europas geführt. Was wir derzeit beobachten, entspricht einer Art Reflexhandlung des Westens. Diesmal, wenig überraschend, angeführt von Frankreich, Großbritannien und Deutschland, die …
dieses falsche, katastrophale Spiel immer wieder neu spielen!
Und sie tun es einmal mehr! Es ist sehr traurig das mitansehen zu müssen. Dies ist zutiefst bedrohlich für Europa, vor allem, weil sie sich in einen weiteren Krieg einlassen und diesen sogar noch vorhersagen. Sie fordern ihn gewissermaßen heraus – es ist bizarr:
Es ist tragisch, doch folgt dem immer gleichen Muster, das auf Russophobie aufbaut und fast zwei Jahrhunderte zurückgeht!
Judge Napolitano: Eine sehr traurige Entwicklung! Vielen Dank, Professor Sachs, für Ihre brillante und großartige Erklärung, wie man dort landete, wo wir heute stehen. Wir haben noch eine kleine Weihnachtsüberraschung für Sie: Einer Ihrer Lieblingspräsidenten mit einer seiner Lieblingsreden:
14.8.1936 – US-Präsident Franklin Delano Roosevelt hält eine Grundsatzrede zur „Politik der guten Nachbarschaft“ in Chautauqua, New York, USA |
Quelle: Screenshot YouTube Critical Past

Franklin Roosevelt: … Bezüglich Weltpolitik möchte ich diese Nation der „Politik der guten Nachbarschaft“ widmen:
- Der Nachbar, der sich selbst entschlossen respektiert und deshalb auch die Rechte anderer respektiert!
- Der Nachbar, der seine Verpflichtungen respektiert und die Unantastbarkeit von Vereinbarungen in und mit einer Welt von Nachbarn respektiert!
Diese Erklärung repräsentierte schon vormals mein Ziel. Sie repräsentiert auch heute mein Ziel. Aber sie repräsentiert heute mehr als nur ein Ziel, denn sie steht für eine Praxis. Diese Praxis war in messbaren Bereichen erfolgreich und die ganze Welt weiß heute, dass die Vereinigten Staaten keine räuberischen Ambitionen hegen …
Judge Napolitano: Oh, wie sich die Zeiten geändert haben, Professor!
Jeffrey Sachs: Vielen Dank, dass Sie uns das zeigen konnten: Das war wunderbar anzusehen! Es gibt uns tatsächlich etwas Hoffnung. Ich möchte noch frohe Weihnachten wünschen!
Judge Napolitano: Vielen Dank! Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie alles Gute für die Feiertage. Wie Sie vielleicht wissen, hat „Judging Freedom” am vergangenen Wochenende zum zweiten Mal in Folge 100 Millionen Aufrufe – dieses Mal im Jahr 2025 erreicht. Das ist nicht zuletzt Ihnen zu verdanken!
Jeffrey Sachs: Ich war in Indien und die Leute auf der Straße hielten mich an und sagten: „Ich schaue Judge Napolitano!” Ich möchte das Ihnen gegenüber bestätigen: Überall, wo ich hinging, erlebte ich das – Das war wunderbar!
Judge Napolitano: Nun, egal wo immer Sie waren, Sie sind der Sendung stets treu geblieben. Unsere berufliche Beziehung und persönliche Freundschaft sind ein großes Geschenk für mich: Ich danke Ihnen und ich danke Dr. Sonia Sachs, Ihrer Frau – ich danke Ihnen für alles und wünschen Ihnen eine Gute Reise! Wir freuen uns darauf, Sie in zwei Wochen wiederzusehen!
Jeffrey Sachs: Wunderbar – ich möchte auch Ihnen ein gutes Neues Jahr wünschen, sowie frohe Feiertage und allen ein schönes Fest!
Judge Napolitano: Gleichfalls – danke! Ein großartiger und brillanter Mann und das scheint noch untertrieben!
Als Nächstes noch mehr Großartiges: Um 13:00 Uhr Aaron Maté, um 14:00 Uhr Matt Hoh, um 15:00 Uhr LtCOL. Karen Kwiatkowski und den Tag beenden wir um 16:00 Uhr mit Max Blumenthal.
Das war Judge Napolitano für Judging Freedom!
Ende der Serie
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