Alex Krainer, Gründer von Krainer Analytics, Analyst und Autor beleuchtet im zweiten Teil des Interviews durch Nima R. Alkorshid von Dialogue Works die Machtstrukturen, die hinter den Ostfeldzügen stehen.

 Alex Krainer im Interview Teil 2:
„Merz, Starmer oder Macron sind alle der gleichen Machtstruktur unterworfen!“

 Nima: Ich weiß nicht wie, wenn man sich jedoch das Treffen [zuletzt im Weißen Haus] ansieht, wirkt Keir Starmer [britischer Premier] nicht besonders zuversichtlich. Merz wirkt anders: Man scheint es irgendwie hinbekommen zu haben, dass Merz vielmehr noch als Starmer, einem Premierminister des Vereinigten Königreichs gleicht. Wie hat man Merz nach Ihrer Meinung soweit gebracht?

Alex: Nun, ich denke, weil sie alle zum selben Netzwerk der Herrschaft zählen: Merz wirkte vormals als CEO von BlackRock Deutschland und Emmanuel Macron war früher Rothschild-Banker in Frankreich. Bei Keir Starmer liegen die Dinge etwas anders: Starmer spielt inzwischen das Double für Tony Blair, so wie Joe Biden das für Barack Obama abgab.

 Tony Blair ist Teil der Führungsstruktur der City of London!

Anmerkung der Redaktion: Die City of London, oft nur als The City oder Square Mile bezeichnet, verfügt über Steuerfreiheit gegenüber dem Vereinigten Königreich mit eigenem Bürgermeister, genannt «Lord Mayor of London» im Gegensatz zu dem des restlichen Londons [«Mayor of London»] und untersteht direkt der Krone. Ihre Verwaltungsbehörde ist die «City of London Corporation», ebenso unabhängig vom «nationalen Rest». Das Wahlverfahren wird von Unternehmen und Körperschaften diktiert, auf welche die Mehrheit der Stimmen entfallen. Die City hat eigene Gesetze.

Die City of London konkurriert mit Lower Manhattan in New York City um den Titel des weltweit führenden Finanzzentrums. Die London Stock Exchange (Aktien und Anleihen), Lloyd’s of London (Versicherungen) und die Bank of England haben ihren Sitz in der City. Dazu kommen über 500 Banken, die ihre Niederlassungen in der City, die auch über eine eigenständige Polizei [City of London Police] verfügt, betreiben.

Nachdem Blair ihnen 2003 den Irakkrieg liefern konnte, belohnten sie ihn mit einem Beratungsvertrag über 5 Millionen Dollar/Jahr. Danach machte man ihn zum Friedensbeauftragten für Nahost und so ging es weiter. Blair ist noch immer tief in all die Ereignisse, wie in der Ukraine, im Nahen Osten, Libanon, in Syrien und Israel verstrickt. Starmer ist nur einer seiner Marionetten-Protegés, welcher wohl das tut, was Tony Blair ihm aufträgt. Tony Blair wiederum führt alles aus, was seine Kuratoren ihm auftragen. Seine Auftraggeber sind mit ziemlicher Sicherheit die Geldverleiher-Oligarchien, welche die City of London beherrschen [zur City – siehe oben die Anmerkung der Redaktion].

Ob wir nun über Merz, Starmer oder Macron sprechen: Sie alle sind denselben ultimativen Machtstrukturen unterworfen – denselben Mächten, die sowohl London als auch Paris regieren und auch über Deutschland eine gewisse Dominanz ausüben, die ihnen jedoch entgleiten könnte, falls Merz auf irgendeine Weise gestürzt oder abgewählt würde – wer weiß, vielleicht übernimmt dann die AfD die Macht. Oder sie müssten gegen einen solchen Fall die deutsche Demokratie aushebeln. Das Gleiche könnte Emmanuel Macron drohen, weshalb man seine Hauptkonkurrentin Marine Le Pen schon ausgeschaltet hat. Es ist ein Kampf, den sie ständig führen:

Sowie sie ihre Marionetten in Regierungen platziert haben, können sie auf Arbeitsteilung schalten: Starmer steht inzwischen unter Druck, weil er nicht nur die Kriege vorantreibt und hinter Israel und Ukraine steht, sondern auch die Bevölkerung in Großbritannien mit immer rabiateren Methoden unterdrücken lässt. In Großbritannien herrscht derzeit die weit verbreitete Meinung, wonach das Land wahrscheinlich in einen Bürgerkrieg abgleiten könnte und, dass…

… es zu massiven Revolten und einer Revolution auf den Straßen Großbritanniens kommen werde!

So werden ggfs. unpopuläre Themen, wie der Krieg in der Ukraine vorläufig an Merz weitergereicht. Macron ist noch einigermaßen in Ordnung: Er könnte aushelfen. Doch Starmer, wird sich eine Weile heraushalten bzw. wohl besser stillhalten müssen!Nima: Wo steht Polen in dieser ganzen Gleichung? [Radoslaw] Sikorski, erinnern Sie sich, trat in Polen am aggressivsten auf. Wir dachten als dieser Konflikt begann, dass Polen auf dem Schlachtfeld gegen die Russen antreten würde. Erinnern Sie sich noch, wie aggressiv die polnische Regierung anfänglich auftrat? Wo steht Polen heute – wie sehen Sie das?

Alex: Ich bin mir nicht ganz sicher, denn die neue Regierung in Polen ist für mich etwas schwieriger einzuschätzen, weil sie sich immer noch nicht sehr freundlich gegenüber den Russen zeigt. Aber sie sind auch nicht mehr so freundlich gegenüber Ukrainern, weil die Polen sehr empfindlich auf die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs reagieren, nachdem ukrainische Nazi-Anhänger eine große Anzahl von Polen seinerzeit ermordet haben. Ähnlich dem Massaker von Katyn.

Man scheint nicht glücklich über die Situation – ich entsinne mich nicht mehr genau: Sind inzwischen zwei oder 1,6 Millionen ukrainische Flüchtlinge in Polen untergebracht? Jedenfalls, befinden sich extrem viele ukrainische Flüchtlinge in Polen, die eine privilegierte Stellung genießen, was die polnische Bevölkerung ablehnt.

Dazu gesellt sich die Hilfe der Europäischen Union an die Ukraine: Sie gewährt der ukrainischen Agrarproduktion eine bevorzugte Stellung auf europäischen Märkten, was das Leben nicht nur für polnische Landwirte, sondern auch für rumänische, ungarische und andere extrem schwierig macht. Das lehnt Polen ebenso ab. Während keine erkennbaren Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf die Feindseligkeit gegenüber Russland erkennbar sind, liegen in Bezug auf die Unterstützung der Ukraine definitiv Differenzen vor.

Dazu kommen noch einige andere Fragen, wie zur Migrationspolitik. Ich denke, dass wir mit der Zeit mehr in Erfahrung bringen werden, doch im Moment steht es 50:50. Polen lehnt das Ukraine-Projekt ab – sie wollen sich davon lösen, aber sie neigen nicht unbedingt zu allzu freundschaftlichen Beziehungen gegenüber Russland.

Ähnlich kritisch entwickelte sich die Situation – ich glaube, es war um 2010 – als die Russen versucht haben, die Beziehungen zu Polen zu verbessern: Wladimir Putin besuchte den Ort des Massakers von Katyn aus dem Zweiten Weltkrieg. Er entschuldigte sich offiziell beim polnischen Volk. Russland räumte zum ersten Mal ein, dass die Sowjets eine Mitschuld daran getragen hätten. Denn, bis dahin wurde das Massaker als Gräueltat den Nazis untergeschoben. Tatsächlich war es eine Gräueltat der Sowjets. Die Polen wussten das. Die Russen wussten das, aber die offizielle Sprachregelung durfte nicht hinterfragt werden. Bis Putin nach Polen reiste und dies einräumte. Er entschuldigte sich offiziell. Ich glaube, nur wenige Tage danach flog eine ganze Maschine mit polnischen Regierungsvertretern, darunter der polnische Präsident und eine Reihe von Generälen, zu Gesprächen nach Russland.  Dabei stürzte das Flugzeug auf mysteriöse Weise ab [April 2010 in der Nähe von Smolensk]. Alle Insassen kamen ums Leben. Ich weiß nicht, wie der offizielle Stand der Ermittlungen ausfiel. Doch ich gewann den Eindruck, dass irgendjemand auf der Welt – eine Großmacht – nicht möchte, dass…

  • jemand im Westen freundschaftliche Beziehungen zu Russland unterhält,
  • man gute Beziehungen zu Russland ohne Konsequenzen kultivieren könne!

Ich denke, dass Trump unter Umständen die einzige Person der westlichen Welt ist, die politisch stark genug scheint, um die Beziehungen zu Russland zu verbessern, was von polnischer Seite noch nicht erkennbar ist.

Nima: Ich denke, der Hauptgrund dafür ist, dass man Russland als vermeintlich schlimmsten Feind nicht verlieren möchte. Meiner Meinung nach hat man etwas aus der Luft gegriffen, was inzwischen verschwunden ist, nämlich:

  • Es gibt keine Sowjetunion mehr!
  • Es gibt keine kommunistische Partei Russlands mehr!

Trotzdem darf es zu keiner Annäherung an Europa kommen, indem man auf eine andere Argumentation [gegen Russland] zurückgreift: Man sagt, Russland sei nicht kommunistisch, sondern zaristisch und hänge imperialistischen Ambitionen, die auf uns zukämen, nach. Das ist es: Sie erfinden etwas, um weitermachen zu können. Deshalb bin ich nicht so optimistisch, Alex, wenn es um die Beziehungen zwischen dem Westen und Russland geht, weil sie es sich nicht leisten können.

Alex: Ich denke Sie haben recht, Nima: Denn dieser Gegensatz verfügt über eine Kontinuität, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Es kam zur polnisch-litauischen Invasion, gefolgt vom schwedischen – und napoleonischen Einmarsch in Russland:

Es folgte eine Welle auf die andere, indem europäische Mächte Russland [im Abstand von rund 100 Jahren] angegriffen haben!

 Einiges davon waren regelrechte militärische Invasionen, wie die der Polen, Schweden sowie von Napoleon/Frankreich und Hitler und mehr: Andere Angriffe waren eher Subversionen, Farb-Revolutionen und Infiltrationen. Das ging in dem Stil ohne Unterbrechung weiter und wurde vor der westlichen Öffentlichkeit stets mit folgenden Argumenten gerechtfertigt und untermauert:

  • Russland ist böse,
  • Russland ist kommunistisch,
  • Russen sind Ungeheuer,
  • Russen sind Höhlenbewohner,
  • Russen sind rückständig,
  • Russen sind Hunnen,
  • Russen sind asiatische Horden und vieles in diese Richtung mehr!

Doch, nach 450 Jahren hat sich eines geändert: Das Internet! Denn, das gab es zuvor nicht. Man hatte davor nicht die Möglichkeit, russische Politiker mit ihren eigenen Worten sprechen zu hören oder sie zu sehen. Man hatte in früheren Zeiten keine Möglichkeit:

  • z.B. ein Interview, wie von Tucker Carlson mit W. Putin mitverfolgen zu können.
  • z.B. eine Rede von Sergej Lawrow über ein oder zwei Stunden sich anzuhören.
  • z.B. das russische Volk auf sozialen Medien und Wahres in Echtzeit zu erfahren.

Ich denke, das ist ein Faktor, der beispiellos ist, aber den sozialen Blickwinkel erweitert hat. Wie das den Westen verändert, wissen wir nicht, denn das werden wir erst künftig herausfinden. Aber mir scheint, dass diese Methode, um die Bevölkerung im Westen zu verängstigen, dass es diese barbarischen Horden gäbe, die uns alle überrennen wollten, wenn wir uns nicht bis an die Zähne bewaffnen und in den Krieg gegen sie ziehen, inzwischen so nicht mehr funktionieren wird!

Ich denke, das ist Teil des Problems, indem man versucht hat, uns Angst vor Russland einzujagen. Aber ich weiß aus verschiedenen Quellen, dass die Meinungen im Westen – sogar in Westeuropa, in Ländern wie Frankreich und Deutschland – stark auseinander gehen:

Ich glaube, dass die Mehrheit der Menschen nicht glaubt, dass Russland wirklich eine Bedrohung für uns darstellt!

Wenn man also versucht, die Leute zu mobilisieren und in den Krieg zu schicken, ihre Länder zerstören und Hunderttausende ihrer Kinder opfern zu lassen, wird das nicht so funktionieren, wie noch vor 70 Jahren bzw. 100 Jahren, im Zweiten – und im Ersten Weltkrieg sowie davor.

Fortsetzung mit Teil 3 folgt.

***

Übersetzung: UNSER-MITTELEUROPA

Teil 1 des Interviews von Alex Krainer durch Dialogue Works auf Deutsch: HIER

Das Video zum Interview von Alex Krainer durch Dialogue Works auf Englisch: HIER



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