Nach dem Attentat auf den slowakischen Premierminister Robert Fico bleiben viele Fragen offen. Am Mittwoch wurde der 59-jährige Politiker bei einem Attentat lebensgefährlich verletzt. Das Attentat ereignete sich in der Stadt Handlová, rund 150 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Bratislava. Als sich Robert Fico nach einer Sitzung des slowakischen Kabinetts an die Öffentlichkeit wandte, fielen laut Augenzeugen vier Schüsse.

Fico sei mit einem Helikopter in ein Krankenhaus geflogen worden, erklärte das Büro der slowakischen Regierung. Fico wurde demnach mit einem Helikopter in ein Krankenhaus in der Stadt Banská Bystrica transportiert. Ein Tatverdächtiger wurde noch am Tatort festgenommen.

International reagierten zahlreiche Regierungschefs schockiert. Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte, er sei „empört“ über den „abscheulichen“ Anschlag auf Fico:

„Ich kenne Robert Fico als einen mutigen und willensstarken Mann. Ich hoffe sehr, dass diese Eigenschaften ihm helfen werden, diese schwierige Situation zu überstehen“, erklärte der russische Präsident. Gleichzeitig wünschte er Fico eine baldige Genesung. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, sagte: „Wir wünschen dem slowakischen Premierminister Robert Fico baldige Genesung. Wir kennen ihn als einen Freund Russlands, der sich in dieser dramatischen historischen Zeit und an einem Wendepunkt der Menschheitsgeschichte nicht scheut, seinen Standpunkt zu vertreten, der sich oft nicht mit dem Mainstream des ‚kollektiven Westens‘ deckt.“

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sprach auf X/Twitter von einem „feigen Attentat“, das ihn sehr erschüttere. „Gewalt darf keinen Platz haben in der europäischen Politik“, so Scholz. Auch die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, verurteilte den Angriff auf X als „abscheulich“.

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg und der ukrainische Regierungschef Wladimir Selenskij reagierten schockiert auf das Attentat. Polens Regierungschef Donald Tusk schrieb auf X: „Robert, meine Gedanken sind in diesem sehr schwierigen Moment bei dir.“

Ficos Partei SMER hatte die Parlamentswahlen Ende September 2023 gewonnen. Es ist die dritte Amtszeit für den Fico, der bereits von 2006 bis 2010 und von 2012 bis 2018 Premierminister war. Fico gilt nicht nur als Gegner von Waffenlieferungen in die Ukraine und des Vorgehens der NATO, sondern auch als Kritiker der EU-Kommission. Zudem setzte er sich dafür ein, dass die in der Corona-Zeit verhängten Maßnahmen aufgearbeitet werden.

Der festgenommene Tatverdächtige, Juraj C., soll laut einem Bericht der Nachrichtenplattform aktulaity.sk als Schriftsteller tätig gewesen sein. Die Waffe, mit der er mehrere Schüsse auf den Ministerpräsidenten abfeuerte, befand sich wahrscheinlich legal in seinem Besitz. Unbestätigten Berichten zufolge soll C. Unterstützer der oppositionellen Partei „Progressive Slowakei“ sein.

Aktuality.sk hat mit dem Sohn des mutmaßlichen Schützen gesprochen. Dieser zeigte sich schockiert über die Tat. Er bestätigte, dass sein Vater im legalen Besitz der Waffe war.

„Ich habe absolut keine Ahnung, was der Vater vorhatte, was er plante und warum dies geschah“, sagte er. Auf die Frage, ob sein Verhältnis zum Vorsitzenden von SMER hasserfüllt sei, antwortete er: „Lassen Sie es mich so sagen – er hat ihn nicht gewählt. Das ist alles, was ich dazu sagen kann.“

Der Sohn des Verdächtigen erklärte gegenüber der Zeitung jedoch, dass sein Vater davon gesprochen habe, den Politiker anzugreifen oder zu liquidieren. Er bestritt zudem, dass der 71-jährige Mann psychisch krank sei.

Juraj C. soll in der Vergangenheit als Schriftsteller tätig gewesen sein. Er soll mehrere Werke veröffentlicht haben und auch einen Literatur-Klub gegründet haben. Im Jahr 2016 arbeitete C. für einen privaten Sicherheitsdienst. Damals wurde er selbst Opfer eines Überfalls in einem Einkaufszentrum in Levice. Auch Bekannte des Tatverdächtigen zeigten sich schockiert über das Attentat: „Er hat sich noch nie so verhalten, manchmal konnte er sich zu einer Regierung äußern, die er nicht mag, aber das ist ein Schock.“

In einer Pressemitteilung erklärte der slowakische Schriftstellerverband, er werde untersuchen, ob der Tatverdächtige Mitglied sei, und ihm gegebenenfalls die Mitgliedschaft entziehen. „Wir bringen unsere Empörung über einen solch brutalen Akt zum Ausdruck, der in der Geschichte der Slowakei ohne Beispiel ist.“

Die slowakische Präsidentin Zuzana Čaputová hat die Öffentlichkeit unterdessen dazu aufgefordert, keine voreiligen Schlüsse aus dem Angriff auf Fico zu ziehen und auf Informationen der Polizei zu warten.

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